»Auschwitz fängt da an, wo einer sagt oder denkt: ES SIND JA NUR TIERE.« Theodor W. Adorno, Philosoph, Soziologe (* 11. Sept. 1903 † 06. August 1969)
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Montag, 2. April 2018

Fleischkonsum zerstört unseren Planeten

Industrielle Tierhaltung ist eines der größten Verbrechen der Menschheit, denn einerseits werden sogenannte "Nutztiere" zu Tode gequält, denn diese müssen oft unter qualvollen Bedingungen leben. Hühner auf kleinstem Raum, Puten mit Brüsten so groß, dass sie vorne überfallen, Schweine in Käfigen, so eng, dass sie sich nicht drehen können. Das sind keine Ausnahmen, sondern Industriestandard.

Seit 50.000 Jahren haben insgesamt schätzungsweise 100 Milliarden Menschen auf der Erde gelebt und jedes einzelne Jahr töten wir Menschen über 50 Milliarden Tiere. Und diese Tiere fristen heute ein qualvolles Leben in Zuchtfabriken, sie sind vom Lebewesen zur Massenware verkommen.Und von diesen Fakten und traurigen Wahrheiten einmal abgesehen, verbraucht die Fleischproduktion aber auch zu viele Ressourcen, welche unsere Umwelt erheblich schädigen.


Fleisch im Essen ist in vielen Kulturen tief verwurzelt und selbst die Andeutung, man sollte es sein lassen, sorgt oft für wütende Reaktionen. Leuten zu sagen, sie sollten ihren Schinken oder ihr Hühnchen gegen Tofu oder Seitan eintauschen, ist in etwa vergleichbar damit, Amerikanern ihre Sturmgewehre abzunehmen, oder auf deutschen Autobahnen ein generelles Tempolimit einzuführen. Als Politiker verliert man mit solchen Forderungen fast automatisch die nächste Wahl.

Aber von der Politik mal abgesehen herrscht Einigkeit darüber, dass Fleischproduktion und -konsum in den gigantischen Mengen, die inzwischen in der westlichen Welt, und auch zunehmend dem Rest der Welt, verbreitet sind, eine entscheidende Rolle bei der Zerstörung unseres Planeten spielen. Hier einige Zahlen und Fakten:

Ein Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) von 2013 kam zu dem Ergebnis, dass 14,5 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus der Viehzucht stammten. Andere Schätzungen liegen zum Teil noch weit höher. Aber selbst dieser konservative Wert liegt über dem, was alle Autos, Schiffe, Flugzeuge und anderen motorisierten Transportmittel der Welt zusammen verursachen. So viel zum Thema: "Ich bin aber mit dem Fahrrad zum Restaurant gefahren, um die Umwelt zu schonen."

Von diesen Emissionen stammen 41 Prozent aus der Rindfleischproduktion, die Milchproduktion steuert 19 Prozent bei, fast der ganze Rest kommt von Schweinen, Hühnern und Eiern. Die Fleischproduktion verbraucht riesige Mengen natürlicher Ressourcen. Für die Herstellung eines Kilos Rindfleisch braucht man atemberaubende 15.415 Liter Wasser. Und der Durchschnittskonsument in einer Industrienation isst 75,9 Kilo Fleisch pro Jahr!

Da viele Rinder heutzutage nicht auf endlosen Prärien grasen dürfen, fressen die Kühe, die über Kurz oder Lang zu einem Hamburger werden, Soya, Mais oder andere Nutzpflanzen. Lebensmittel also, die wir einfach direkt selbst essen könnten, um damit viel Energie und Emissionen zu sparen. Und um all das Futter anzubauen, mit dem wir dann "unser Futter" füttern, braucht man Platz. Viel Platz. Das wird im Amazonas-Regenwald besonders deutlich. Dort gehen etwa 80 Prozent der Abholzung auf das Konto der Rinderzucht.
Guten Appetit!

Lust auf Fleisch? Ein Blick auf die Gegenwart des Fleischkonsums



Je mehr Fleisch die Menschen verzehren, desto weniger bekommen sie von den Bedingungen mit. Das Endprodukt liegt in Plastik verpackt und vorteilhaft ausgeleuchtet im Supermarktregal. Die Auswirkungen lassen sich jedoch an der Umwelt ablesen: Kaum ein anderes Lebensmittel trägt so massiv zur Zerstörung des Klimas, zur Überdüngung der Böden und zum Artenverlust bei wie die industrielle Fleischproduktion.

"Qualvoll, umweltschädlich, ungesund und billig. Das charakterisiert heute die industrielle Tierproduktion", sagt Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, die im Januar den neuen Fleischatlas für Deutschland mitherausgab. Dieser zeigt die Konsequenzen der industrialisierten Fleischproduktion auf und wird für zahlreiche Länder publiziert. Die Fleischindustrie müsste grundlegend umgebaut werden, fordern die Autoren, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Die Entwicklung geht allerdings in die andere Richtung. Die globale Fleischproduktion hat sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als verdreifacht. Bis 2050 wird sie noch einmal um 85 Prozent wachsen, erwartet die UN-Welternährungsorganisation. Eine Lösung sehen die Autoren in einer Reform der EU-Agrarpolitik. 40 Prozent des EU-Budgets, rund 60 Milliarden Euro pro Jahr, fließen in diesen Bereich. Doch auch der Konsument ist gefragt: Den Deutschen wird empfohlen, nur noch halb so viel Fleisch zu essen. Pro Kopf waren es 59 Kilogramm im Jahr 2016. In Österreich werden sogar rund 65 Kilogramm jährlich verzehrt.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Karnistisches Manifest


Von Karim Akerma

Ich bin Karnist. Dieser Ausdruck kommt von dem lateinischen Wort für Fleisch: caro, carnis. Karnist zu sein bedeutet, dass ich eine Entscheidung getroffen habe: Obwohl ich weiß, dass Menschen auch ohne Fisch und Fleisch sehr gut leben können, habe ich mich dazu entschlossen, weiterhin Tiere zu essen. 

Es gibt da neuerdings einen vornehmen Ton unter Vegetariern: Man dürfe uns Fleischessern nicht bildhaft vor Augen führen, was wir bewirken, wenn wir Fleisch kaufen und essen. Die in Vereinen organisierten Vegetarier wollen uns mit Lammfellhandschuhen anfassen und uns vor allem keine grausamen Bilder aus den Schlachthöfen zeigen. Damit unsere ach so empfindlichen Seelen keinen Schaden nehmen. Hat man denn vergessen, dass wir alle gemeinsam im Informationszeitalter leben? Wir Karnisten sind nicht dümmer oder schlechter informiert als Vegetarier und wissen recht genau, was wir in Kauf nehmen. Von überall her wird es mir zugetragen: Fleischessen sei schlecht. Aber Fleisch schmeckt mir nun einmal gut. Dieses Gute kompensiert alles Schlechte, weshalb ich es weiter essen werde. 

Ich erkläre mich: Zwar versucht die Fleischindustrie, die Grausamkeit des Schlachtens vor den Konsumenten zu verbergen. Aber wir wissen doch längst Bescheid: Es steht alles in den Zeitungen und sogar in den Fernsehnachrichten zeigt man uns, was im Innern von Schlachthöfen vor sich geht. Bei vier bis neun Prozent aller Rinder ist die Betäubung vor dem Schlachtvorgang nur mangelhaft oder gar nicht vorhanden. Von den 58 Millionen getöteten Schweinen sind 10-12 Prozent mangelhaft oder nicht betäubt. Da ich die entsetzlichen Schmerzen eines lebendig gekochten Schweins oder eines lebendig zerteilten Rindes nicht fühle, bin ich nicht betroffen, weshalb eine vegetarische Ernährung für mich nicht in Frage kommt. 

Deutschland hat sich im Segment der Schweineschlachtung mit knapp 60 Millionen getöteten Tieren pro Jahr seinen europäischen Spitzenplatz mühsam erkämpft. Und nur in Frankreich werden mehr Rinder getötet. Ich jedenfalls sorge dafür, dass wir spitze bleiben! Da ich auch in Zukunft Rindfleisch kaufen werde, bin ich damit einverstanden, dass für die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch durchschnittlich 15.000 Liter Wasser verbraucht werden. So viel Wasser muss nun einmal für die Bewässerung der Futterpflanzen aufgewendet werden. Mit jedem Fleischkauf begünstige ich irgendwo „Wasserstress“. Aber leiden wir nicht alle unter Stress? Warum sollte das Grundwasser hierzulande oder ein Bauer in Fernweg keinen gesunden Stress bekommen? 

Solange ich mir Flaschenwasser leisten kann, ist es mir relativ egal, dass das Grundwasser mit Nitraten und Phosphaten belastet wird, die aus Gülle und Düngemitteln stammen, die in der Massentierhaltung anfallen.
Als Fleischesser diene ich anderen Menschen sogar als ein gutes Vorbild. Derzeit sind immer noch ein Drittel oder ein Viertel aller Inder Vegetarier. Aber es werden weniger, denn sie orientieren sich an den Essgewohnheiten von Personen wie mir. 

Gemeinsam werden wir es schaffen, die weltweite jährliche Fleischproduktion von momentan erst 300 Millionen Tonnen auf 470 Millionen Tonnen im Jahr 2050 zu erhöhen. Not macht erfinderisch: Auch wenn momentan niemand sagen kann, womit all die zu schlachtenden und zu verspeisenden Tiere gemästet werden sollen – im Jahr 2050 werden wir eine Lösung haben. Klar ist schon jetzt: Die Anbauflächen und das Getreide, das die Milliarden Tiere beanspruchen, fehlen den Menschen. Selber schuld! Sollen sie sich doch Fleisch kaufen. 

Dass es richtig ist, Fleisch zu essen, sieht man übrigens allein schon daran, dass es in den meisten Schulen und Kantinen täglich Fleischgerichte gibt und nur selten oder wenige vegetarische Gerichte. Und als Mensch bin ich nun einmal ein sehr soziales Wesen: Ich tue das, was die meisten anderen machen, ohne groß zu fragen, ob es richtig oder falsch ist. 

In den Tiermagen gehören Mais, Hafer, Hirse, Roggen und Gerste. 57% der Welternte dieser Getreidesorten gelangen momentan in Tiermägen, statt Menschen zu ernähren. Mit jedem Fleischkauf entziehe ich weniger wohlhabenden Menschen dringend benötigte Ackerflächen und Ernteerträge. Aber es schmeckt mir nun einmal, und ich lebe in einer Demokratie, in der ich essen kann, was ich will, solange ich anderen damit keinen Schaden zufüge. 

Weil ich, meine Kinder, Verwandten und Freunde auch künftig Fleisch essen wollen, ist es außerdem nur gerecht, dass 70% der Äcker und Weiden weltweit zum Zweck der Tierfütterung bewirtschaftet werden. Aus diesem Grund beteilige ich mich auch künftig aktiv an der Zerstörung des Amazonas-Regenwalds, damit auf den entwaldeten Flächen Rinder weiden können und möglichst viel Soja als Kraftfutter angebaut und nach Europa verschifft werden kann. Indem ich brasilianisches Rindfleisch kaufe oder das Fleisch von Tieren verzehre, die mit dort angebautem Soja gemästet wurden, helfe ich den dortigen Menschen. Denn der brasilianische Großbauer, der den Urwald rodet, kann die Erlöse aus dem Holzverkauf in die Viehzucht stecken, sodass es am Ende nur Gewinner gibt: ihn und mich. 

Meine Entscheidung für den Fleischverzehr ist zugleich eine Entscheidung für den Klimawandel, hin zur allgemeinen Erderwärmung: Um ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen, werden circa 25 kg des Treibhausgases Kohlendioxid in die Luft gepustet; Fleisch aus Südamerika bringt es auf 59 kg. Berücksichtigt man das verlorengegangene CO2-Speicherpotential gerodeten Regenwaldes, sind es sogar 330 kg Kohlendioxid pro Kilogramm Rindfleisch. 

Mein Fernziel ist es, Grönland vollständig zu enteisen, damit die Insel endlich ihren Namen verdient: Grünland. Einmal abgetaut, hat die Insel das Potential für vielleicht eine Milliarde Nutztiere! Zwar grasen „meine“ Herden den Boden ab und trampeln ihn fest, sodass er unbrauchbar wird und sie sorgen für Bodenerosion. Aber Mutter Erde denkt mit: Sie erwärmt sich, damit wir zur Fleischproduktion mittelfristig nach Grönland und langfristig auf den Mars ausweichen können, um den Roten Planeten zu begrünen.

Wer auch nur einen einzigen Punkt dieses karnistischen Manifests nicht unterschreiben und zu Hause bleiben möchte, der soll doch zu den Vegetariern gehen!  

(Anmerkung: Karim Akerma, der Autor dieses Artikels, lebt streng vegan!!!)









Samstag, 17. Februar 2018

Das ist doch noch immer meine Entscheidung




Man könnte darauf wetten und würde die Wette fast immer gewinnen. Wenn in zufällig gemischter Runde das Thema ‚Tiere essen‘ diskutiert wird, kommt irgendwann der magische Moment, in dem ein Omnivorer (manchmal auch ein Vegetarier) klarstellt: „Letztlich muss jeder selbst entscheiden, was er isst.“ In der Regel erntet der Sprecher breite Zustimmung für diese Aussage. Gleichzeitig wird die Diskussion mit diesem Statement de facto für beendet erklärt. Wer jetzt noch weiter für seine Meinung wirbt, gilt als unhöflich, intolerant, missionarisch. 

Ich habe dieser Aussage selbst mehr als 50 Jahre meines Lebens reflexartig zugestimmt, auch in der Zeit, in der ich schon lange kein Fleisch mehr gegessen habe und mich zumindest vegetarisch ernährte. Vermutlich habe ich den Satz auch selbst gelegentlich ausgesprochen. Es hört sich einfach sehr tolerant und wertschätzend an, wenn mir jemand signalisiert, dass es für ihn völlig in Ordnung ist, wenn ich für mich eine Entscheidung treffe, die er für sich anders treffen würde. 
 
Ich fühle mich in meiner Individualität, in meinen persönlichen Ansichten und in meiner Handlungsfreiheit respektiert. Dadurch bin ich auch geneigt, umgekehrt meinem Gegenüber diese Entscheidungsfreiheit ebenso zuzugestehen, was wiederum ein offenes Gesprächsklima und die gegenseitige Akzeptanz fördert. Es ist schließlich meine ganz persönliche Entscheidung, welches Leben ich führe, welche Prioritäten ich setze und wie ich mich dabei verhalte. Wie ich mich ernähre, geht schon gar niemand etwas an! Mir persönlich missfällt es fast immer, wenn sich jemand in mein Leben einmischt und mich belehren möchte, was für mich das Beste ist und ich seines Erachtens deshalb zu tun und zu lassen habe. Dieser Mensch braucht dann schon sehr überzeugende Gründe, um mein Gehör zu finden. 

Wenn wir an dieser Stelle allerdings mal ganz bewusst unseren rationalen Verstand und unser Moralempfinden aktivieren und uns erlauben, die ‚Tatsache‘, dass Essen eine persönliche Entscheidung ist, einfach mal grundsätzlich anzuzweifeln, dann bemerken wir rasch, dass unser ‚Wissen‘ erstaunlich wenig Substanz hat. Wir erkennen, dass unsere bisherige ‚klare Meinung‘ nicht das Ergebnis einer sorgfältigen Prüfung der aktuell verfügbarer Fakten darstellt, sondern viel eher eine Ansammlung erlernter Kommentare unseres Autopiloten – hundertmal gehört, nachgeplappert, vom Umfeld bestätigt bekommen und irgendwann mit dem Vermerk „wahr“ im Gedächtnis abgelegt. 

Zunächst sollten wir uns vor Augen halten: Wenn ich behaupte, dass die Wahl zwischen omnivorer Ernährung und veganer Ernährung jedem selbst überlassen werden sollte, dann unterstelle ich dabei unausgesprochen, dass es sich dabei um zwei moralisch weitgehend gleichwertige Alternativen handelt. Dies ist aber ganz und gar nicht der Fall.  

Wer Fleisch isst, verursacht unermessliches Leid und verantwortet immer die Ermordung unschuldiger Geschöpfe, während vegane Ernährung Leid, wo immer möglich, vermeidet. Die omnivore Ernährung erfordert also Opfer, und spätestens dann endet die persönliche Entscheidungsfreiheit. Wenn eine persönliche Präferenz, in diesem Fall meine kulinarischen Vorlieben, dazu führt, dass ein anderer dafür sterben muss, dann verletze ich automatisch in gravierender Weise andere Interessen, die bedeutend genug sind, um berücksichtigt und verteidigt zu werden. 

Bei anderen, aus moralischer Sicht, ähnlich gelagerten Themen herrscht innerhalb unserer Gesellschaft interessanter Weise breiter Konsens, wie weit die Freiheit des Einzelnen geht, wo genau sie endet und was im Falle einer Grenzüberschreitung die Konsequenz sein soll. Wir sind uns beispielsweise weitgehend einig darüber, dass es die persönliche Entscheidung der Eltern ist, wie sie ihre Kinder erziehen. Es steht grundsätzlich niemandem zu, sich da offensiv einzumischen. In welchen Situationen aber ist es vielleicht doch erlaubt, vielleicht sogar nötig, sich einzumischen, wenn es Opfer gibt? (Vielleicht auch schon, wenn es Opfer geben könnte, zum Beispiel weil die Eltern selbst noch Kinder sind und mit dem Erziehungsauftrag überfordert wären.) 

Wenn Eltern ihre Kinder verprügeln oder sonst wie misshandeln, dann bewertet unser kollektives gesellschaftliches Moralverständnis das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes höher als die erzieherische Freiheit der Eltern. Deshalb wurde die Prügelstrafe durch eine Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahr 2000 ersatzlos abgeschafft. §1631 BGB spricht den Kindern sogar ein ausdrückliches „Recht auf gewaltfreie Erziehung“ zu. In vielen Ländern dieser Welt gibt es die Prügelstrafe jedoch noch immer, und wir sind oftmals empört über deren Rückständigkeit und ihre antiquierte Haltung, Erziehung sei Privatsache und erlaube deshalb allen Ernstes auch körperliche Züchtigung. 

Ein zweites Beispiel. Wie Ehepaare ihre Beziehung leben, ist ein sehr privates, intimes Thema. Es ist allein ihre Sache. Eine Einmischung Dritter ist auch hier nur in besonderen Situationen legitim, nämlich, wenn jemand Leid zugefügt wird – also erneut, wenn es Opfer gibt. Uns erscheint es heute selbstverständlich, dass Vergewaltigung in der Ehe ein Verbrechen darstellt. Wieso sollte die Tatsache, dass zwei Menschen miteinander verheiratet sind, eine derartig abscheuliche Gewalttat erlauben? Das Unrecht ist so offensichtlich, dass es uns erstaunt, dass Vergewaltigung in der Ehe erst seit 1997 überhaupt ein Straftatbestand ist. Noch irritierender ist es, dass das Thema 25 Jahre immer wieder in unterschiedlichen Parlamenten diskutiert werden musste, bevor es endlich zu dieser Entscheidung kam. 

Man könnte die Liste der Beispiele beliebig erweitern und würde immer zu dem Ergebnis kommen: „Sie können tun, was Sie wollen, solange dabei niemand in unangemessener Weise Schaden nimmt.“ Es ist allein Ihre Sache, ob Sie Alkohol trinken. Es ist sogar weitgehend Ihre Privatsache, ob Sie sich jeden Tag bis zum Vollrausch betrinken. Wenn Sie sich allerdings betrunken ans Steuer Ihres Wagens setzen, dann kommen die anderen ins Spiel, die ein Recht darauf haben, vor Ihnen beschützt zu werden. 

Die Tiere sind keineswegs die einzigen Opfer omnivorer Ernährung. Letztlich sind auch unsere eigenen Kinder und Enkel Opfer, weil wir durch unser Verhalten ihre Lebensgrundlage in erheblichem Umfang zerstören. Fleischkonsum hat verheerende Folgen für unser gesamtes Ökosystem. Die Massentierhaltung ist der mit Abstand größte Verursacher von Treibhausgasen und damit in hohem Maße verantwortlich für den weltweiten Klimawandel. 

Auch die Tatsache, dass die Nutztiere der reichen Länder den größten Teil der Weltsoja- und Weltgetreidernte fressen, während täglich tausende Menschen auf diesem Planeten verhungern, sollte unsere Gewissheit erschüttern, dass jeder angeblich selbst wissen muss, was er isst und was nicht. Ja, es sollte eigentlich jeder informierte und verantwortungsvolle Mensch inzwischen wissen. Denen jedoch, die es nicht wissen oder nicht wissen wollen, sollten wir es unbedingt sagen. Wieder und wieder. 

Armin Rohm, Tierrechtler







Freitag, 24. Juli 2015

Schlachttiere sterben nicht selten sehr qualvoll

Das Tier in der engen Betäubungsbox hat grosse Angst. Zwischen seinen weit aufgerissenen Augen presst ihm ein Mann das Bolzenschussgerät an die Stirn und drückt ab. Das Rind bricht zusammen, rappelt sich auf wackeligen Beinen wieder auf. Noch einmal schießt der Mann, doch es hebt noch den Kopf, als ein Metallschieber es aus der Box befördert. Das Tier zuckt und windet sich, als eine Kette um sein Hinterbein geschlungen und es vom Fließband hochgezogen wird. Es ist noch immer nicht völlig ohne Bewusstsein, als ein Kopfschlächter das Messer ansetzt, um es durch einen Stich ausbluten zu lassen.

Eine Szene aus einem deutschen Schlachthof und beileibe kein Einzelfall bei millionenfachen Rindern, die Jahr für Jahr in Deutschland geschlachtet werden. Rinder werden durch einen Bolzenschuss in den Kopf betäubt. Dieser Bolzenschuss soll sie "wahrnehmungs - und empfindungslos" machen, wie es das Gesetz verlangt, bevor sie - wie alle anderen Schlachttiere auch - durch Blutentzug getötet werden.

Die oben geschilderte Szene macht jedoch klar und deutlich, dass dieser Bolzenschuss nicht immer funktioniert und alltäglich bei einigen Tieren seine Wirkung verfehlt. Hinzu kommt, das für das Töten eines Rindes in den Schlachthöfen nur wenig Zeit vorgesehen ist und weitere Betäubungsversuche nur den Betrieb aufhalten und sämtliche auf Akkord getrimmten Abläufe behindern.

Kein Wunder also: so manches Tier ist noch bei Bewusstsein, wenn es aus der Betäubungsbox geschoben und abgeschlachtet wird. Solcherlei Verstöße gegen die Schlachtverordnung sind skandalös, jedoch  wo kein Kläger ist, dort ist meistens auch kein Richter. Tierschützer, denen es gelingt, dann und wann Schlachthöfe unter die Lupe zu nehmen, stellen auch oftmals fest,  dass nicht nur Rinder auf derart qualvolle Weise geschlachtet werden, sondern auch Schweine und andere Tiere.

Übrigens: allein in Deutschland wurden noch nie so viele Schweine geschlachtet und verarbeitet wie in den vergangenen Jahren. Und dies auf Hochtouren, bis an die Kapazitätsgrenzen. Moderne Fleischfabriken machen dies möglich und vermögen pro Tag 20.000 Tiere zu schlachten. Schweine werden allerdings nicht mit Bolzenschüssen, sondern mit Strom oder Gas betäubt. Die Elektrozange, die ein Schlächter in kleineren Schlachthöfen einem Schwein noch hinter die Ohren hält, ist in Großbetrieben schon längst nicht mehr effektiv, weil hier im Sekundentakt getötet werden muss.

Wie aber auch immer die Betäubung gehandhabt wird: In vielen Schlachthöfen, so die Vorwürfe von Experten, komme es vor, dass Schweine, die bereits schon am Fließband hängen, versehentlich überhaupt nicht oder nicht richtig abgestochen werden. Solche Tiere erwachen auf dem Weg ins Brühbad wieder aus ihrer Betäubung und erleiden in diesem Brühbad einen schrecklichen, grausamen Tod.

Jedes Jahr, so haben Untersuchungen ergeben, geraten etwa eine halbe Million Schweine lebend in die Brühanlagen. Welch furchtbare Schmerzen muß wohl ein Tier über sich ergehen lassen und welch einen grausamen Todeskampf muss es durchleiden, wenn es noch lebendig im kochenden Dampfbad verbrühen muss?

Fehlbetäubungen und grausame Schlachtvorgänge sind also keine Seltenheit in den Schlachtbetrieben. Letztlich sind aber nicht nur diese Fehlbetäubungen skandalös, sondern nicht weniger schlimm, verwerflich, unmoralisch und unmenschlich ist die traurige Tatsache, dass Tiere überhaupt geschlachtet und als sogenannte "Nutztiere" zu einer bloßen Ware degradiert werden.


Und selbst dann, wenn es keine Fehlbetäubungen in den Schlachthöfen geben würde: 
Woher nehmen wir Menschen uns eigentlich das Recht, Tiere um unserer gewissenlosen Freßsucht willen in Massentierhaltungsfabriken zu mästen, zu quälen, zu peinigen und schliesslich brutal, barbarisch und grausam zu töten, zu ermorden und abzuschlachten? Dieses Recht finden wir weder in unseren Bäuchen noch in unseren Gewohnheiten und Traditionen.

Und weil wir in einem Land leben, in dem die sogenannten "christlichen Werte" von Kirche und  Politik himmelhochjauchzend verehrt und verteidigt werden, möchte ich hinzufügen: Wir finden dieses Recht auch nie und nimmer in der Bibel oder in anderen religiösen Schriften, denn falls es einen vollkommenen, allmächtigen und allgütigen Gott tatsächlich geben sollte, dann wäre dieser Gott mit Sicherheit nicht jener Gott, den uns die Bibel einzuhämmern, vorzugaukeln und zu verkündigen bemüht ist, denn der biblische Gott ist ein grausamer und ungerechter Gott.

Und ich spinne diesen Faden noch ein wenig weiter, denn wenn es tatsächlich diesen Gott geben sollte, der sich laut christlicher Überzeugung und kirchlicher Lehre in der Bibel uns Menschen offenbart hat, dann ist letztlich alles, was die angeblich vom Heiligen Geist erfüllten und durchdrungenen Propheten und anderen Märchenerzähler der Bibel in ihrer tierverachtenden Position und Denkweise über diese vermeintlichen Rechte predigten und verkündigten, die größte Gotteslästerung, die man sich vorstellen kann.

Nein, aus dem Nichts heraus hat der Mensch dieses vermeintliche Recht einfach an sich gerissen, weil nicht irgendein Gott, sondern der Teufel höchstpersönlich der "Krone der Schöpfung" ins Gehirn eingetrichtert hat, sich hemmungslos alles erlauben und herausnehmen  zu dürfen. Welch ein Zeugnis menschlicher Arroganz, Tiere schonungslos auszubeuten, sie zu quälen, ihnen Leid zuzufügen und ihnen schliesslich um einiger Gelüste und gewohnheitsmäßigen Bedürfnisse willen auf grausame Art und Weise das Leben zu nehmen.

Es will einfach nicht hineinpassen in meinen Kopf: dies alles ereignet sich im 21.Jahrhundert Tag für Tag und Stunde für Stunde im "Kulturland" Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt. Und jene, die vieles ändern könnten, wenn sie es nur wollten, nämlich unsere "ehrenwerten Volksvertreter und Politiker, die uns Regierenden in den oberen Etagen, verschanzen und verkrümeln sich angesichts steinzeitlicher Grausamkeiten und Foltermethoden hinter dem angeblich "besten Tierschutzgesetz der Welt" und den somit geltenden tierschutzgerechten Richtlinien.


Doch wie gut, nützlich und sinnvoll ist dieses Tierschutzgesetz eigentlich und letztlich, wenn es aus Rücksichtnahme auf religiöse Traditionen und Überzeugungen das Schächten von Tieren zuläßt oder das Kastrieren und andere schmerzliche Eingriffe ohne Betäubung der betroffenen Tiere erlaubt? Das Wohlergehen und der erforderliche Schutz unzählig vieler Tiere - wird dies nicht alles tagtäglich mit Füßen getreten?

Und andererseits hat es sich doch auch längst schon  herumgesprochen, dass Verstöße gegen das bestehende Tierschutzgesetz meist nur harmlos, ungenügend und lächerlich geringfügig strafrechtlich verfolgt werden. Tiere zu quälen ist in unserer Gesellschaft offenbar weniger schlimm als eine Bank auszurauben oder einen Menschen ins Gesicht zu spucken und als ein "Arschloch" zu bezeichnen.

Aber wie auch immer: die Politiker könnten vieles ändern, wenn sie es nur wollten. Die Verbrechen in den Massentierhaltungsfabriken, die Verbrechen während der Tiertransporte und in den Schlachthöfen sind seit Jahrzehnten bekannt. Aber ist das Bekämpfen dieser Verbrechen tatsächlich die Aufgabe von Tierschützern? Nein, es ist doch wohl mehr die Aufgabe unserer Politiker. Oder? Wahrhaftig: Diese Welt - sie ist ein Irrenhaus! Alle wissen es und alle machen mit.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Welthungerkrise durch Fleischkonsum

Gekürzter Artikel von Aktisten des Tierschutzvereins "Die Tierfreunde e.V."

Derzeit leiden über 840 Millionen Menschen an Unterernährung oder Mangel an gesunden Lebensmitteln. Jede Minute sterben weltweit elf Kinder an Hunger. Die Verzweiflung der Menschen löste Revolten in Nordafrika, Asien und Lateinamerika aus. Die Herstellung von Biosprit aus Getreide macht derweil das Auto zum Nahrungskonkurrenten, Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Dürren durch den Klimawandel sind weitere Ursachen der Krise.

Weitaus höheren Einfluss hat allerdings die fortwährend steigende Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln. Fleisch ist Lebensmittelverschwender Nummer eins. Zur Produktion einer tierischen Kalorie werden je nach Tierart fünf bis dreißig pflanzliche Kalorien verfüttert. Beim Rind bleiben deutlich über 90 Prozent der Nahrungsenergie auf der Strecke. Um die Tiere in unserer Agrarindustrie zu ernähren, wird Getreide zu großen Teilen aus Lateinamerika importiert.

Europa ist aus klimatischen und geografischen Gründen nicht in der Lage, genug Futter zu produzieren, um den Fleischhunger zu befriedigen: 77% des Proteinfutters werden eingeführt. Auch für deutsche Schweinemästereien und Milchfabriken brennen Regenwälder, um neuen Platz für Futtergetreidefelder zu schaffen. Im letzten Jahr hat Deutschland den Import von Getreide um 50% von 3 Mio. t auf 4,5 Mio. t gesteigert.

Der globale Markt zahlt gut, der Anbau von Nahrungsmitteln für die Menschen in den armen Ländern lohnt sich nicht mehr. Die Entwicklungs- und Schwellenländer selbst werden, häufig nicht zuletzt wegen der Korruption in diesen Staaten, dieser Entwicklung keinen Einhalt gebieten können. Nur die reichen Länder können durch eine veränderte globale Nachfrage Änderungen erwirken.

Die Politik der reichen Staaten unterstützt indes weiterhin die tierhaltende Agrarindustrie und kurbelt damit die Lebensmittelverschwendung an, statt Alternativen zu fördern und nachhaltige Lösungswege beim Namen zu nennen: Weg von tierischen Lebensmitteln, hin zu pflanzlichen Alternativen. Eine unpopuläre, aber ehrliche Forderung, deren Durchsetzung mit mutiger Politik machbar ist.

Der weltweite Fleischkonsum ist von 1961 bis heute von 71 Millionen auf 284 Millionen Tonnen gestiegen. Bis 2050 soll sich der weltweite Fleischverbrauch nochmals verdoppeln. Auch die Nachfrage nach Milchprodukten ist ungebremst. Bis zum fertigen „Produkt“ werden unverhältnismäßig viele Ressourcen wie Getreide, Wasser und Land verbraucht.

All die Tiere, die in der Agrarindustrie gehalten werden, müssen fressen und trinken, um wachsen und ihren Stoffwechsel aufrecht erhalten zu können. Daher bedeutet die Herstellung von tierischen Produkten einen besonders ineffektiven Einsatz der vorhandenen Ressourcen gegenüber einer direkten Nutzung zum Anbau von Menschennahrung statt Futtergetreide. Der Umweg über das Tier verschwendet Lebensmittel in gigantischem Ausmaß.

Je mehr Fleisch erzeugt wird, desto mehr steigt der Bedarf an Soja und Futtergetreide wie Mais, Gerste, Hafer und Futterweizen. Die hohe Nachfrage der Tierindustrie nach Futter treibt die Preise für diese Grundnahrungsmittel weltweit in die Höhe und verdrängt auch andere Anbauarten wie Reis beim Konkurrenzkampf um Anbauflächen. 

Damit steigen durch den Fleischkonsum nicht nur die Getreidepreise, sondern auch die Preise für andere Grundnahrungsmittel wie Reis. Auch die notwendige Erhöhung des Ernährungsstandards in den armen Ländern durch Obst und Gemüse zu einer gesunden und vitaminreichen Kost konkurriert mit Tierfutter um Ressourcen wie Land und Wasser.

Der Konsum von Fleisch und anderen tierischen Nahrungsmitteln hat noch weiterreichende Folgen: 30 Prozent der eisfreien Flächen der Erde werden dafür in Anspruch genommen. Die Fleisch - und Milchproduktion ist für 18% der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein Jojo-Effekt, der Dürrekatastrophen und damit eine weitere Verschärfung der Lebensmittelknappheit zur Folge hat. 

Darüber hinaus werden für die Produktion von nur einem Kilo Fleisch tausende Liter Wasser benötigt. Gleichzeitig sind mehr als zwei Milliarden Menschen nach Angaben der UNESCO mit Engpässen in der Wasserversorgung konfrontiert. Die Wissenschaftler der jährlich stattfindenden ‚World Water Week’ in Stockholm bezeichnen die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten daher als „nicht nachhaltig“ und empfehlen eine Änderung der Ernährungsstrategie.

Der internationale Getreiderat warnt bereits seit Jahren, dass durch den Anstieg des Fleischkonsums die Kapazitäten an Getreideerzeugnissen den Bedarf nicht decken können. Der Verbrauch an Getreide ist so dramatisch angestiegen, dass die weltweiten Vorräte den tiefsten Stand seit 1982 erreicht haben. Rufe nach höherer Produktivität und mehr Anbauflächen werden laut. 

Diese kurzsichtige Forderung bedeutet weitere Rodung der Regenwälder für neue Abbauflächen und die damit verbundene Klimaschädigung, den intensiven Einsatz von Gentechnik, und wirkt vor dem Hintergrund der Verschwendung des Getreides durch die Umwandlung in tierische Lebensmittel geradezu grotesk.

Fleisch ist kein lebensnotwendiges Nahrungsmittel. Die wichtigen Aminosäuren stecken auch in pflanzlicher Kost. Soll dem Konsumenten nun vorgeschrieben werden, was gut für ihn ist? Soll man den Fleischkonsum verbieten oder staatlich regulieren?
 
Der Konsum tierischer Nahrungsmittel hat nichts mit Wohlstand oder Lebensqualität zu tun. Es ist vielmehr eine erlernte Angewohnheit, mit der zu brechen vielen Menschen nicht notwendig erscheint, weil die Politik die Produktion von tierischen Lebensmitteln auf unterschiedlichstem Wege bewirbt und subventioniert.

Ob als direkte Finanzhilfe, Exportsubvention oder schlicht als staatliche Propaganda. Das Landwirtschaftsministerium propagierte „Marktöffnung für deutsches Geflügel- und Rindfleisch“, setzte sich für „deutsches Grillsteak und Bratwürste aus deutschem Schweinefleisch“ für die Fußball-WM in Südafrika ein und initiierte in Nordrhein-Westfalen das 'Modellvorhaben Schulmilch', „um den Absatz von Milch zu erhöhen“, wie es einst wörtlich aus dem Ministerium hieß.

Sinnvolle Förderungen müssen, weg vom Fleisch, auf eine pflanzliche Kost zielen. Ohne diese grundsätzliche Änderung unserer Ernährungsstrategie sind alle Bemühungen, dem Welthunger zu begegnen, Augenwischerei. Harvard-Ernährungswissenschaftler Jean Mayer schätzt, dass durch eine Reduktion der Fleischproduktion um 10% soviel Getreide eingespart werden könnte, wie zur Versorgung von 60 Millionen Menschen notwendig ist. Wie naheliegend doch manche Lösung ist.

Voraussetzung zur Bekämpfung des Hungers wäre allerdings die Bereitschaft, die vorhandenen und dadurch freiwerdenden Nahrungsmittelressourcen auch den Hungerleidenden zukommen zu lassen, statt damit Auto zu fahren und nicht mit steigenden Lebensmittelpreisen an Börsen zu spekulieren.

Quelle: TSV "Die Tierfreunde e.V."

Montag, 20. Juli 2015

Ungewöhnlicher Besuch in einem Schlachthof (Teil 2)

Beide Tierfreunde erleben, wie sich trotz erfolgter Betäubung einige der Tiere noch stark winden und mittels einer Stromzange nur die noch besonders stark herumzappelnden Tiere nochmals nachbetäubt werden. Dann wird Schwein für Schwein kopfüber am Fließband aufgehängt und beide Tierfreunde trauen ihren Augen nicht: auch einige der nachbetäubten Tiere winden sich immer noch, hängen zappelnd und schreiend am Fließband und bekommen somit bei lebendigem Leib schliesslich das Schlächtermesser in die Kehle gerammt.

Ein Schwall von Blut ergießt sich auf den Schlächter, der sich daraufhin routiniert und teilnahmslos mit einem Wasserschlauch das Blut von seiner Schürze spritzt, während die hängenden Schweine mit ihren aufgeschlitzten Hälsen und immer noch zappelnd, in einer unter ihnen befindlichen riesigen Wanne mehr und mehr ausbluten und deren Todeskampf nun endlich ausgestanden scheint.
"Alles nur Nervenzucken", erklärt ihnen der Oberschlachter und hält ihnen weitere Vorträge über seine schwere Arbeit im Schlachthof, die leider nur wenige zu schätzen wüßten.

Und überzeugt von der Notwendigkeit seiner Arbeit erklärt er ihnen, wie wichtig und notwendig doch die fleischliche Ernährung sei, obwohl zwei gesunde und zwei "lebende Beweise" dafür, dass er sich irrt, mit einer Kamera in der Hand neben ihm stehen. "Stellen Sie sich mal vor, ohne Fleisch wäre doch niemand in der Lage, so schwere Arbeit zu tun wie die der Bauern oder der Metzger hier im Schlachthof".

Und beide Tierfreunde berichten weiter, wie nach dem Ausbluten zwecks Säuberung und Entborstung die Schweine in einem riesigen Ofen landeten, aus dem oben Flammen herausschlugen und wenig später jeweils zu zweit aus diesem Ofen wieder herausglitschten. 

Nun wurden den Schweinen die Ohren und andere Körperteile abgeschnitten und erneut am Fließband aufgehängt, wurden nun den Schweinen die Bäuche aufgeschlitzt, die noch warmen und dampfenden inneren Organe und Därme herausgerissen, um danach von Männern mit Massenmördergesichtern und Kettensäge in zwei Hälften zersägt zu werden.  Letztendlich erfolgte  die Fleischbeschau, Stempel drauf und fertig ist das Fleisch. Zitat des Oberschlächters, der die ganze Zeit, in diesem furchtbaren Schlachtfeld stehend, über Gott und die Welt plauderte: "Kriege, wo Unschuldige verstümmelt und getötet werden, sind grausam, unnötig und unerträglich."

Nachdem beide Tierfreunde genug gesehen und gefilmt haben, liefern sie ihre Overalls und Gummischuhe wieder ab und den beiden im Büro sitzenden Damen fällt beim Anblick der beiden Tierschützer nichts Besseres ein, als ihnen gegenüber festzustellen: "Was heute in den Altenheimen abgeht, das ist grausam. Und was man Kindern alles antut, furchtbar!". 

Einer der beiden Tierfreunde erlaubt sich angesichts dieses Geschwafels beider Frauen eine durchaus verständliche Rückfrage: Und der Schlachthof? "Ich kann das nicht ansehen", erwidert die eine und beide Büro-Frauen beteuern, noch nie drin gewesen zu sein und auch niemals reingehen zu wollen. "Wir essen unser Fleisch und das da geht uns nichts an". Ignoranz tötet - und für beide Tierfreunde gibt es keinen Zweifel darüber, dass beiden Damen schlagartig der Appetit auf Fleisch vergehen würde, wenn Sie endlich ihre Augen und ihre Herzen öffnen würden.

Etwa 400 Schweine werden täglich in diesem Schlachthof "verarbeitet", also jährlich zirka 60.000 grausam getötete und zerstückelte Schweine allein in diesem Schlachthof und unvorstellbare 46 Millionen Schweine  werden jedes Jahr allein in Deutschland geschlachtet. 46 Millionen Schweine - Schweine, die bis zu ihrem schrecklichen Ende ihr ganzes Leben nur gelitten haben. 

Als kleine Ferkel ihren Müttern weggenommen, werden ihnen unter Höllenschmerzen von Menschen die Schwänze abgeschnitten, die Zähne abgebrochen, die Ohren durchstanzt, sie werden betäubungslos kastriert, und verstümmelt und zurechtgeschnitten für die Fleischindustrie geht ihr Leiden weiter, eingepfercht in dunklen, dreckigen Kerkern, ein Leben auf Spaltenböden in den eigenen Exkrementen, ohne Beschäftigung.

Hierdurch verrückt werdend, verstümmeln sie sich gegenseitig vor Stress und Beschäftigungslosigkeit, sie sehen niemals Sonne, niemals Regen, außer in den fünf Minuten des Wartens auf den Tod vorm Schlachthof. Sie haben bis zu ihrem Tod nie den Rüssel in die Erde wühlen können, niemals auf einem Ast herumgekaut, niemals ein Nest bauen dürfen, niemals im Schlamm gesuhlt. Um am Ende dieses "Lebens" kopfüber aufgehängt bei lebendigem Leibe den Hals aufgeschlitzt zu bekommen und zu Fleisch verarbeitet zu werden. Ein Krieg gegen Unschuldige. Grausam, unnötig und unerträglich.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Schlachthöfe und Metzgereien? Nein, Danke!

Mißstände im Umgang mit unseren sogenannten "Nutztieren" und auch anderen leidenden und gequälten Tieren aufzudecken, die Bevölkerung zu informieren, die Zusammenhänge zwischen achtlosem Konsum und Tierleid aufzuzeigen - darin besteht im Wesentlichen meine Aufgabe hinsichtlich dieses und auch meines anderen Tierschutzblogs. Denn all das viele und enorme Tierleid in unserer heutigen Zeit entsteht nicht allein durch die Gewissenlosigkeit skrupelloser Tierquäler, sondern auch durch das Wegschauen und Ignorieren von sehr vielen Menschen.

Das Anliegen meiner beiden Tierschutzblogs ist unter anderen auch jenes, die Menschen über die schier unglaubliche Anzahl von Tieren, welche Tag für Tag für unsere Ernährungssünden sterben, zum Nachdenken zu bewegen. Nicht weniger schlimm als bei uns in Deutschland werden z.Bsp. auch in Österreich jedes Jahr mehr als 5,5 Millionen Schweine in Schlachthöfen getötet, dazu rund 610.000 Rinder, mehr als 80.000 Kälber und die unvorstellbare Menge von fast 70 Millionen Hühnern, Enten und Gänsen! 

Anders gesagt: In Österreichs Schlachthöfen sterben pro Minute ca 1,3 Rinder und Kälber, 10 Schweine und weit mehr als 100 Hühner - Minute für Minute, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr... und weltweit müssen jedes Jahr rund 45 Milliarden Tiere für die menschliche Ernährung ihr Leben lassen!!!

Um die menschliche und unersättliche Gier nach Tierfleisch zu befriedigen, werden weltweit rund 1 Milliarde Schweine, 1,3 Milliarden Rinder, 1,8 Milliarden Ziegen und Schafe und mehr als 15 Milliarden Hühner in abscheuliche Konzentrationslager gesperrt, in Käfige gezwängt, in Ketten gezwungen und letztendlich auf oft furchtbarste Art und Weise in riesige Transportwägen geprügelt und in die Schlachthäuser gezerrt.

Schlachthöfe assoziiere ich mit Gestank, mit Schreien, mit Todesängsten, mit Elektrozange, Kehlschnitt und literweise Blut. „Cést la vie - das Leben ist ein Fest", heisst es auf einem Schild im Zufahrtsbereich eines österreichischen Schlachthofes. Welch eine Verhöhnung der Opfer! 

In jedem grösseren Schlachthof kommen täglich unzählige Tiertransporte an und Schlachtungen sind Accordarbeit. Wie viele Tiere nach der grausamen Betäubung wieder aufwachen und bewusst miterleben, wie das Blut aus ihrer Kehle rinnt, wird wohl kaum jemals Gegenstand amtlicher Untersuchungen werden.

„Cést la vie - das Leben ist ein Fest!" 
Aber unser Leben ist erst dann ein Fest, wenn sich Schlachthöfe in Kulturzentren verwandeln und Tiere keine Ware mehr sind. Unser Leben wird nur dann zu einem Fest, wenn  menschliche Vernunft über menschliche Ignoranz und Profitgier einen dauerhaften Sieg erringt. Und eines sollten wir uns alle mit unauslöschbarer Tinte in unser Herz schreiben, in unser Denken und Handeln, nämlich : „Tiere sind keine Waren",  „Dont´kill" und "Für das Leben, die Freiheit und die Unversehrtheit aller fühlenden Mitlebewesen!"

Worte eines Aktivisten von "RespekTiere e.V." über einen Rinderschlachthof bei Salzburg:
(gekürzt und teilweise redigiert)

Waren Sie jemals an einem Ort, von welchem wirklich Böses ausgeht? Ein Ort, wo man sich unweigerlich ständig umdreht, weil man das Gefühl nicht los wird, irgend etwas verfolgt einen, wo man überall Schatten sieht und nirgends Licht, egal wie hell dann die Sonne auch immer strahlen möge? Ein Ort, wo man ständig in den Hosentaschen gräbt, weil man immerzu vom Gefühl befallen ist, irgend etwas verloren zu haben? Wo das Atmen schwerfällt, weil etwas bedrückend Enges, eine gewaltige Trostlosigkeit in der Luft liegt? 

Wo selbst der Wind weint und gemeinsam mit verlorenen Seelen immer wieder ein furchtbares Klagelied anstimmt? Wo der Regen wie Tränen eines zornigen Gottes zu Boden fällt und sich dort mit dem Blut hunderttausender Ermordeter zu einem zähen Brei mischt, welcher, kommt man mit dieser Masse erst in Berührung, sich nie mehr wieder abspülen lässt, sich mit eisernen Fingern festkrallt - jedoch nicht am Gewebe, an der Fläche, er gräbt sich viel, viel tiefer - er benetzt Herz und Geist, überzieht sie mit einem hauchdünnen Film, der sich nie mehr lösen wird.

Der Schlachthof in Bergheim bei Salzburg ist so ein Ort; und dort ist tatsächlich etwas verloren gegangen, etwas ganz epochales: unsere Menschlichkeit! Verkommen zu einer sinn-entleerten Worthülse, befleckt von einem Meer aus Blut, tagtäglich ertrinkend in den Eingeweiden Unschuldiger! Dieses Töten muß ein Ende finden! Wir müssen uns mehr und mehr formieren und nie mehr stumm zusehen wie unsere Mitlebewesen ein Dasein in Angst und Schrecken führen müssen, nur um als lebende Nahrungsvorräte zu dienen! Wir wollen sie nicht mehr länger dieser Hölle der Schlachthöfe ausgesetzt sehen! Denken sie nach über das viele und schreckliche Tierleid, ziehen Sie die unvermeidliche Konsequenz : Essen Sie vegetarisch und retten Sie Leben - so oft es für Sie geht, am allerbesten aber jeden Tag!!!!!!!!!

Erschütternder Videofilm :

Beim Anschauen vieler erschütternder Video-Dokumentationen blutet mir oftmals nicht nur mein Herz und meine Seele, sondern auch Hass und abgrundtiefe Verachtung auf all jene menschlichen Monster und Bestien steigt in mir hoch, die zu derartigen Tierquälereien überhaupt fähig sind. Sind Menschen, die Tieren  immer wieder schreckliche Dinge antun, letztlich überhaupt noch Menschen oder der allerletzte Abschaum, den es gibt? 

Unmenschlicher, barbarischer Umgang mit Tieren ereignet sich seit Menschengedenken rund auf unserem Globus, ungerührt und skrupellos. Sind wir nicht sonderliche bestialische Wesen? Was wir den Tieren an Qualen und Schmerzen zumuten - empfinden wir das nicht als äußerst unzumutbar und höchst beklagenswert, sobald es uns selbst betrifft? 

Bei dem kleinsten Wehwehchen begeben wir Menschen uns in ärztliche Behandlung und Fürsorge. Wahrhaftig, wie sehr doch der Mensch immerzu und unentwegt auf sein eigenes Wohlergehen bedacht ist. Nur ein kleiner Schmerz - und schont stürzt für uns der Himmel ein. Und gläubige Menschen suchen angesichts ihrer Sorgen, ihrer Schmerzen und Schicksale  oft jammernd, jaulend und betend den Beistand eines imaginären Gottes, der ihnen die Schmerzen nehmen und ihre Tränen trocknen soll. Doch das Leid der Tiere scheint die allerwenigsten auch nur annähernd zu berühren und zu erschüttern.

Video:


Freitag, 3. Juli 2015

Die drei N's der Rechtfertigung (Teil 2)

Fortsetzung des gestrigen Beitrags :

Und auch in anderen Hinsichten kämen wir nicht auf die Idee, auf die Natürlichkeit der Dinge zu pochen: Frauen rasieren sich ihre natürliche Bein- und Achselbehaarung, wir verwandeln Feld und Wald in Flughäfen und Autobahnen, damit wir nicht auf unsere natürlichen Fortbewegungsapparate (nämlich unsere Beine) angewiesen sind, und auch mit Verhütungsmitteln schlagen wir der Natur ein Schnippchen.

Was lernen wir daraus? Wir suchen uns sehr wählerisch und willkürlich aus, was wir für natürlich und deshalb vertretbar halten, und was nicht. Warum das so ist? Karnismus hat die Tücke, sich zu „naturalisieren“, sprich: Das karnistische Denksystem hat die Fähigkeit, uns ein Gefühl falscher Natürlichkeit zu vermitteln.

Karnismus kurz erklärt:
Karnismus ist ein unsichtbares System aus Überzeugungen oder Ideologien, das die Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen. Karnismus ist das genaue Gegenteil von einer vegetarischen oder veganen Lebenseinstellung; „Karn“ bedeutet „Fleisch“ oder „aus Fleisch“ und „-ismus“ bezeichnet ein  Überzeugungssystem.


Fleisch & tierische Produkte essen – ist das wirklich notwendig?
Der Glaube daran, dass es „notwendig“ ist, Fleisch zu essen, ist eng verbunden mit dem Glauben, es sei „natürlich“, Fleisch zu essen. Denn wenn es biologisch notwendig ist, Tiere zu essen, bedingt der Fleischkonsum das Weiterbestehen der menschlichen Spezies.

Und obwohl uns eigentlich klar ist, dass es sehr wohl problemlos möglich ist, ohne Fleisch ein gesundes und langes Leben zu führen, berufen wir uns trotzdem immer wieder auf den Mythos, der Konsum von tierischen Produkten sei notwendig. Und dabei ist genau das Gegenteil der Fall! Der Konsum von tierischen Produkten steht eng im Zusammenhang mit Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Herz- und Kreislauferkrankungen und Krebs.

Und was ist mit den Arbeitsplätzen? Die Tierindustrie ist doch wirtschaftlich gesehen eine Notwendigkeit, stimmt’s? Falsch! Zum einen hören die Menschen nicht auf zu essen oder zu konsumieren, bloß weil sie keine Tiere mehr essen. Ihr Konsum verändert sich und die Wirtschaft bräuchte nicht lange, um sich darauf einzustellen. Aber grundsätzlich darf eine Gesellschaft, die an sich selbst den Anspruch auf ein ethisches Bewusstsein erhebt, eine solche Argumentation gar nicht erlauben.

Hätte die Sklaverei in den Vereinigten Staaten nicht abgeschafft werden sollen, weil das einen Zusammenbruch der bis dahin gekannten Wirtschaftsordnung bedeuten würde? Sollten Kriege geführt werden, weil die Waffenindustrie ein florierendes Geschäft ist, für unzählige Menschen Arbeitsplätze bereithält und dem Bruttosozialprodukt ein dickes Plus beschert?

Es ist an der Zeit in Frage zu stellen, was in der Gesellschaft als normal, natürlich und notwendig gilt.

Und übrigens: Je mehr Opfer, desto weniger Wirkung.
Je größer die Anzahl der Opfer, desto mehr verdrängen und entpersonalisieren Menschen diese Opfer – ganz gleich, ob es sich dabei um Mitmenschen oder Tiere handelt. Die emotionale Reaktion nimmt proportional zur steigenden Opferzahl ab. Es wurde mittlerweile in psychologischen Studien nachgewiesen, dass dieses „Verdrängen“ bereits ab 2 Opfern beginnt. Einzelne Opfer (zum Beispiel ein ertrunkenes Hundebaby im Kanal) erregen viel mehr unser Mitgefühl, als eine große Zahl an Opfern (zum Beispiel 100 Erdbebenopfer). 

Wenn man sich also vorstellt, dass in Deutschland jährlich mehrere hundert Millionen Tiere geschlachtet und getötet werden, dann kann man sich das eigentlich nicht vorstellen – diese Zahl ist zu hoch, zu abstrakt, zu unwirklich. Wir können mit ihr nicht viel anfangen und sie macht uns deshalb auch nicht so betroffen, wie wenn uns etwa die Nachricht erreicht, dass jemand einen Hund von einer Brücke geworfen hat.

Quelle: Mario Pfeifer (PETA)

Donnerstag, 2. Juli 2015

Die drei N's der Rechtfertigung (Teil 1)

Kennst Du die drei N's der Rechtfertigung von Fleischessern: 
Normal, Natürlich & Notwendig?

Diese drei N's wurden in der Geschichte der Menschheit schon immer dazu benutzt, um ausbeuterische Herrschaftsverhältnisse zu rechtfertigen; vom Sklavenhandel in Afrika über die Unterdrückung der Frau, bis hin zum Nazi-Holocaust. 

Sobald eine Ideologie erst einmal ihren Höhepunkt erreicht hat, werden diese Mythen nur von einer Minderheit in Frage gestellt. Erst wenn das System kollabiert, schüttelt man rückblickend den Kopf und kann nicht glauben, wozu Menschen fähig sind.

Die drei N's sind so stark in unserem sozialen Bewusstsein verankert, dass sie unser Handeln lenken, ohne dass wir über sie nachdenken. SIE DENKEN FÜR UNS! Wir leben, als ob sie universelle Wahrheiten wären, dabei sind sie nichts anderes als Meinungen.

Diese drei N's sind also mächtige Instrumente, die es ermöglichen, unser Handeln zu beeinflussen. Aber sie machen noch mehr: Sie lindern unser moralisches Unbehagen. Wenn sich in uns der Gedanke regt, dass man eigentlich nicht einverstanden ist mit der Art, wie wir mit Tieren umgehen, kommen die drei N’s auf den Plan und sagen: „Es ist normal! Es ist natürlich! Es ist notwendig!“ Und die meisten Menschen sind erleichtert, dankbar für eine gute Entschuldigung und denken, sie müssten ihr Verhalten nicht ändern.

Die drei N's wirken also wie geistige und emotionale Scheuklappen und verdecken die Widersprüche zwischen unserem Empfinden gegenüber Tieren und der Art und Weise, wie wir sie tatsächlich behandeln.

Fleisch & tierische Produkte essen – ist das wirklich normal?
Vegetarier und Veganer hören das wieder und wieder: Menschen haben schon immer Fleisch gegessen. Jeder isst Fleisch. Fleisch essen ist normal. Aber was bedeutet das eigentlich? Sind unsere sozialen Normen objektive Tatsachen? Sind sie angeboren oder von Gott gegeben? Ganz und gar nicht. Sie wurden von Menschenhand gemacht und sie können von Menschenhand auch wieder abgeschafft werden.

Fleisch & tierische Produkte essen – ist das wirklich natürlich?
Es gibt immer noch zu viele Menschen, die meinen, Fleisch essen sei natürlich, da die Menschheit schon seit Jahrtausenden Tiere gejagt und gegessen hat – und leiten deshalb ab, es sei gerechtfertigt, Tiere zu essen. Aber reicht dieses Argument aus? Sind Dinge vertretbar, nur weil wir sie schon immer getan haben? Wenn wir an Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung oder Diebstahl denken, wird schnell klar: Auch das hat es schon immer gegeben, aber deshalb ist es noch lange nicht richtig. 

Kein Mörder käme mit der Rechtfertigung „Mord und Totschlag hat eine lange und feste Tradition in der Menschheitsgeschichte!“ vor Gericht davon – zu Recht! Denn worauf es ankommt, ist nicht die Natürlichkeit einer Handlung, sondern ihre Vertretbarkeit.

Fortsetzung im morgigen Beitrag ......

Mittwoch, 1. Juli 2015

Philip Wollen über die Notwendigkeit, auf Fleisch zu verzichten (Teil 2)

Fortsetzung des gestrigen Beitrags :

Wasser ist, wie sie wissen, das neue Öl. Nationen werden bald Kriege deswegen führen. Unterirdische Wasserspeicher, die sich über Millionen von Jahren hinweg aufgefüllt haben, neigen sich dem Ende zu und trocknen aus. Man braucht bis zu 50.000 Liter kostbares Trinkwasser für die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch. 

Heutzutage leiden eine Milliarde Menschen an Hunger, 20 Millionen Menschen werden an Unterernährung sterben. Wenn der Fleischverbrauch nur um 10% verringert würde, könnten 100 Millionen Menschen mehr ernährt werden. Fleisch von der Speisekarte zu streichen, würde den Hungertod für immer Vergangenheit sein lassen.

Wenn jeder Mensch sich wie die Menschen in den westlichen Industrieländern ernähren würde, bräuchten wir zwei Planeten, um uns zu ernähren. Aber wir haben nur einen, und der geht gerade zugrunde. Die Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung sind um 50% höher als die der gesamten Transportbranche, inklusive aller Autos, Züge, Busse, Schiffe, Lkw´s , Anhänger.... alles.

Wenn ich um die Welt reise, sehe ich, wie arme Länder ihr Getreide an den Westen verkaufen, während ihre eigenen Kinder in ihren Armen verhungern. Und der Westen verfüttert es an "Nutztiere", nur damit wir ein Steak essen können? Bin ich der Einzige der sieht, dass das ein Verbrechen ist? Glauben Sie mir, jedes Stück Fleisch, das wir essen, ist ein Schlag in das verweinte Gesicht eines hungrigen Kindes. Wenn ich ihm in die Augen sehe, schweige ich dann etwa?

Die Erde kann genug Nahrung produzieren um die Bedürfnisse aller Menschen, nicht jedoch die Gier aller Menschen zu befriedigen. Wir stehen vor dem perfekten Sturm.

Wenn irgendeine Nation Waffen entwickeln würde, die eine solche Verwüstung auf dem Planeten anrichten könnten, würden wir sie mit einem präventiven Militärschlag zurück in die Bronzezeit bombardieren. Doch es handelt sich hier nicht um einen Schurkenstaat, sondern um eine Industrie. Die gute Nachricht ist: Wir müssen sie nicht bombardieren. Wir können einfach aufhören, sie zu kaufen.

George Bush lag also falsch. Die Achse des Bösen verläuft nicht durch den Irak, den Iran und Nordkorea.... sondern sie zieht sich durch unsere Esstische. Die Massenvernichtsungswaffen sind unsere Messer und unsere Gabeln.

Unser Vorschlag ist das Schweizer Taschenmesser der Zukunft. Es löst unsere Umwelt - Wasser und Gesundheitsprobleme und beendet Grausamkeit für immer. Die Steinzeit endete nicht, weil uns Menschen die Steine ausgingen. Und diese grausame, widerliche Industrie wird enden, wenn uns keine Ausreden mehr einfallen.

Fleisch ist wie die 1 oder 2 Cent Münzen. Es kostet mehr sie herzustellen, als sie wert sind. Und ich komme vom Land. Landwirte sind diejenigen, die am meisten zu gewinnen haben. Die Landwirtschaft wird nicht aufhören zu existieren, sie wird boomen. Nur die Produktlinie wird sich ändern. Die Landwirte werden so viel Geld verdienen, sie werden sich nichtmal mehr die Mühe machen, es zu zählen. 

Und ich werde der Erste sein, der ihnen applaudieren wird. Regierungen werden uns lieben, neue Industrien werden entstehen und gedeihen. Krankenkassenbeiträge sinken, Wartelisten für Behandlungen in Krankenhäusern werden verschwinden. Verdammt, wir wären so gesund, wir müssten jemanden erschiessen, damit überhaupt ein neuer Friedhof angelegt werden müsste.

Heute Abend habe ich zwei Herausforderungen für die Oppostion: Fleisch verursacht eine Vielzahl von Krebsarten und Herzkrankheiten. Nennen sie mir eine Krankheit, die durch vegetarische Ernährung verursacht wird.

Und zweitens: Ich finanziere die Earthlings-Trilogie. Wenn die Opposition sich ihrer Sache so sicher ist, fordere ich sie auf, eine Kopie der DVD "Earthlings" an alle ihre Kollegen und Kunden zu senden. Na los, trauen sie sich.

Tiere sind nicht nur eine andere Spezies, sie sind andere Nationen und wir töten sie auf unsere eigene Gefahr hin. Die Karte des Friedens wird auf der Speisekarte gezeichnet. Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern die Anwesenheit von Gerechtigkeit. Gerechtigkeit aber muss Rasse, Hautfarbe, Religion oder Spezies gegenüber blind sein. 

Wenn sie nicht blind ist, wird sie zu einer Waffe des Terrors. Und heute Abend gibt es unvorstellbaren Terror in diesen entsetzlichen Guantanamos, die wir Tierfabriken und Schlachthöfe nennen. Glauben sie mir, wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würden wir diese Debatte heute abend nicht führen.

Sehen Sie, ich glaube, eine andere Welt ist möglich. Und in einer ruhigen Nacht kann ich sie atmen hören. Lasst uns Tiere von der Speisekarte streichen und aus diesen Folterkammern holen.

Dienstag, 30. Juni 2015

Philip Wollen über die Notwendigkeit, auf Fleisch zu verzichten (Teil 1)

Sehr gute und eindrückliche Rede eines Menschen mit Herz und Verstand:
 
Der mehrfach preisgekrönte und ehemalige Vizepräsident der Citibank, Philip Wollen, hält ein eindrückliches Plädoyer dafür, warum es mit unserem Gewissen nicht vereinbar ist, tierische Lebensmittel zu essen:

König Lear fragt spät in der nacht an den Klippen den blinden Earl von Gloucester: "Wie siehst du die Welt?" und der blinde Earl von Gloucester antwortet: "Ich sehe sie fühlend".
Und ... sollten wir das nicht alle?

Tiere müssen von der Speisekarte genommen werden, denn heute nacht schreien sie vor Todesangst in den Schlachthöfen, in Ställen und in Käfigen - diesen grausamen, schändlichen Gulags der Verzweiflung.

Wissen sie, ich habe die Schreie meines sterbenden Vaters gehört, während der Krebs seinen Körper zerfrass, und mir wurde bewusst, dass ich diese Schreie schon einmal gehört hatte: im Schlachthaus. Mit ausgestochenen Augen und zerrissenen Sehnen, auf den Viehtransporten in den nahen Osten und von einer sterbenden Walmutter, in deren Gehirn eineHarpune explodiert, während sie nach ihrem Kind ruft. Ihre Schreie waren die meines Vaters. Und ich entdeckte, dass wir auf die gleiche Art und Weise leiden. denn wenn es um die Fähigkeit zu leiden geht .... ist ein Hund genau wie ein Schwein, ein Bär, oder ein Junge.

Fleisch ist das Asbest von Heute. Es ist mörderischer als Tabak. Co2, Methan und Stickstoffmonoxid aus der Tierhaltungsindustrie zerstören unsere Ozeane mit sauren, sauerstoffarmen Todeszonen. 90% der kleinen Fische werden zu Pellets zermahlen, um sie an sogenannte "Nutztiere" zu verfüttern. Kühe, die sich eigentlich vegetarisch ernähren, sind heute die weltweit grössten Raubtiere der Ozeane. Die Ozeane sterben in diesem Moment. Im Jahr 2048 wird der Lebensraum aller Fische vernichtet sein, die Lungen und Arterien unserer Erde.

Milliarden von lebensfrohen Küken werden bei lebendigem Leibe zerhackt, und das nur, weil sie männlich sind. Bis heute haben nur etwa 100 Milliarden Menschen gelebt. 7 Milliarden leben heute. Und dennoch foltern und töten wir jede einzelne Woche 2 Milliarden fühlende Lebewesen. 10.000 Spezies werden jedes Jahr unwiderruflich ausgelöscht ... und das durch eine einzelne Spezies. 
 
Wir stehen nun vor der sechsten Massenausrottung der kosmologischen Geschichte. Wenn irgendein anderer Organismus das täte, würden ein Biologe ihn als Virus bezeichnen. Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit von unvorstellbaren Ausmaßen.

Aber zum Glück verändert sich die Welt. Vor 10 Jahren verstand man unter Twitter Vogelgezwitscher, www war eine hängengebliebene Tatstatur. Cloud war eine Wolke im Himmel, Google war das Rülpsen eines Kindes, Skype ein Tippfehler und Al Kaida war mein Klempner.

Victor Hugo sagte einmal: Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
Tierrechte sind heute die weltweit grösste soziale Ungerechtigkeit seit der Abschaffung der Sklaverei. Wussten Sie, dass es mehr als 600 Millionen Vegetarier auf dieser Welt gibt? Das ist mehr als die USA, England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Kanada, Australien und Neuseeland zusammen. 
 
Wenn wir eine Nation wären, hätten wir mehr Einwohner als die 27 Mitgliedsstaaten der Euopäischen Union. Können sie sich das vorstellen? Und trotz dieses demographischen Fussabdrucks kommen wir immer noch nicht gegen die lärmenden, jagenden, schiessenden, mordenden Kartelle an, die glauben, dass Gewalt die Antwort ist, obwohl sie nicht mal eine Frage sein dürfte.

Fleisch tötet Tiere, tötet uns und tötet unsere Wirtschaft.
Das staatliche Gesundheitssystem hat die USA in den Bankrott getrieben. Man müsste 8 Billionen Dollar investieren, allein um die Zinsen der Schulden daraus zu bezahlen, und sie haben genau Null. Sie könnten jede Schule, die Armee und die Marine, die Luftwaffe, den Verfassungsschutz, CIA und FBI auflösen ... und sie würden immer noch nicht genug Geld haben, um ihre Arztrechnungen zu bezahlen. Und Cornell und Harvard sagen, dass die optimale Menge an Fleisch in einer gesunden menschlichen Ernährung genau Null ist.

Fortsetzung im morgigen Beitrag .......

Samstag, 16. Mai 2015

Der unchristliche Weihnachts - und auch Osterbraten

Besonders unser rührseliges Weihnachtsfest bringt Jahr für Jahr vielen Tieren den Tod. Um eines Bissens Fleisches willen werden sie getötet, geschlachtet und letztlich von freßgierigen Unmenschen bedenken - und gedankenlos verschlungen und als weihnachtlicher Festschmaus in den unersättlichen Magen gestopft. Unser "christliches" Weihnachtsfest ist sicherlich eines der grössten Schlachtfeste des Jahres. Aber mit einer wahrhaft christlichen Denk - und Handlungsweise hat dies alles leider absolut nichts zu tun und zu schaffen, denn bereits schon im Alten Testament wird das Niedermetzeln von Tieren verurteilt und an den Pranger gestellt. So heisst es z.Bsp. beim Propheten Hosea (8,13):
"Ihr Opferschlachten und Fleischessen sind mir ein Greuel, und der Herr hat keinen Gefallen daran, sondern wird ihrer Missetaten gedenken und sie für ihre Missetaten heimsuchen."
Und beim Propheten Jesaja (66,3) heisst es:
"Wer einen Ochsen schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlägt .... ".
Und auch von Jesus können und sollten besonders Christen etwas sehr Wichtiges lernen, denn offenbar liebte er die Tiere und missbilligte jeglichen eigennützigen und unmenschlichen Umgang mit ihnen. Aber viele seiner diesbezüglichen Lehren und Worte sucht man im Neuen Testament der sog. "Heiligen Schrift" leider vergeblich, sondern man findet sie nur in sogenannten apokryphen Schriftensammlungen. In einer dieser Schriften, im "Evangelium Jesu" hören wir diesen Jesus nämlich sagen:
"Wahrlich, ich sage euch, darum bin ich in die Welt gekommen, das ich abschaffe alle Blutopfer und das Essen des Fleisches der Tiere und Vögel, die von Menschen geschlachtet werden."

Leider gibt es eine Unmenge Christen, denen derartige Aussagen etwas gänzlich Fremdes sind und viele christlich eingestellten Menschen wissen überhaupt nicht, das Jesus, sowie auch seine Jünger und das ganze Urchristentum einst vegetarisch lebten. Aber lang ist es her und die Lehren der Päpste und anderer kirchlicher Würdenträger haben die Lehren eines Jesus von Nazareth längst als lästiges Übel und als einen weniger wichtigen Tatbestand mit Füßen getreten und ins Vergessen katapultiert. 

So wird beispielsweise das Osterfest als das höchste Fest der Christenheit verkündet und "alle christliche Freude über die Auferstehung Jesu soll nicht nur die Seele laben, sondern auch den Leib." Kein Wunder also, das nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch das Osterfest für viele unschuldige Tiere den Tod bedeutet.
Aber mit echtem Christentum hat diese ganze Tierquälerei und dieses grausame Abschlachten vieler Tiere nichts zu tun, denn Tiere sind ein lebendiger und intelligenter Teil der Schöpfung, wobei Letzteres leider weniger zutreffend in bezug auf uns Menschen ist!