»Auschwitz fängt da an, wo einer sagt oder denkt: ES SIND JA NUR TIERE.« Theodor W. Adorno, Philosoph, Soziologe (* 11. Sept. 1903 † 06. August 1969)
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Dienstag, 5. Mai 2015

Vorbildliche Persönlichkeiten: Erik Gottwald

Sehr beeindruckende Rede von Erik Gottwald 
vor dem Schlachthof Mannheim
während einer Demonstration am 12. Dezember 2012 :


Bereits schon Victor Hugo erkannte: "Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Eine einzige Idee erschafft Kunstwerke, errichtet ganze Städte oder befreit Nationen. Tierrechte sind heute die größte soziale Gerechtigkeitsbewegung der Welt. Hundert Tausende Menschen in allen Ländern sind bereit sich für die Rechte der Tiere einzusetzen. Niemand weiß, wie viele Tonnen Blut unschuldiger Lebewesen noch den Boden von Schlachthäusern bedecken werden und wie viele Tränen unsere Gesichter. Aber was wir wissen ist, dass wir nicht ein Herz für Menschen haben und eines für Tiere. Entweder haben wir eins oder wir haben keins. Deswegen werden wir nie echten Frieden haben, solange wir im Krieg gegen die Tierwelt sind.

Aber dieser Krieg wird nicht mit Sturmgewehren, Handgranaten, Panzern und Bomben geführt. Messer und Gabel sind die Massenvernichtungswaffen der Gegenwart. Fleisch tötet uns, tötet die Tiere, tötet die Natur. Falls meine Worte für manche extrem erscheinen, möchte ich zu bedenken geben: 60 Milliarden Landtiere und 90 Milliarden Meerestiere werden jedes Jahr nicht zum Überleben getötet, sondern für einen Gaumenkitzel. Manche würden das extrem nennen.

Fleisch verschwendet mehr Nahrungsmittel als es liefert. Man muss große Mengen pflanzlicher Lebensmittel verfüttern, um kleine Mengen Fleisch zu erhalten. Mehr als ein Drittel der Weltgetreideernte gehen so als Futter in die Tierindustrie. Arme Länder verkaufen ihr Getreide an den Westen, während die eigene Bevölkerung verhungert. Nur damit wir Burger essen können. Wenn das kein Verbrechen ist, dann möchte ich wissen, was ist die Definition. Wie Philip Wollen sagte:  "Jedes Stück Fleisch, das wir essen, ist ein Schlag in das verweinte Gesicht eines verhungernden Kindes."

Wir sind nicht zuviele, wir sind nur zu blöd. Diese Erde könnte ein vielfaches an Menschen ernähren, wenn wir die Lebensmittel direkt essen würden, und nicht über den Umweg durch den Körper eines anderen Tieres. Diese Welt hat genug für unser aller Bedürfnisse, aber nicht für unser aller Gier.
Und diese Gier endet damit, dass sie uns selbst tötet. Krebs, Herz und Schlaganfälle sind Todesursache Nummer 1. Broccoli und Blumenkohl zählen allerdings nicht zu den Auslösern, Fleischkonsum schon. Und Studien der Cornell und Harvard Universität kommen zu dem Ergebnis, dass die Menge an Fleisch in einer gesunden menschlichen Ernährung exakt 0 ist.

Wir können diese Krankheiten wieder zu einer Seltenheit machen, indem wir uns gesund ernähren und Tiere von der Speisekarte streichen. Aber warum wird das nicht gewollt? Weil verdammt viel Geld damit gemacht wird. Und die Umsätze der Pharmaindustrie werden ins Bruttoinlandsprodukt eingerechnet. Wenn wir also alle eine Chemotherapie bekommen, dann haben wir noch ein paar Jahre Wachstum. Aber verbuchen wir die Reperaturkosten unserer Autos als Gewinn?

Und warum ist Fleisch eigentlich so billig? Weil die ermordeten Rinder, Schweine und Hühner nicht bezahlt werden. Wir halten uns Sklaven. Man braucht keine 2 Beine um ein Sklave zu sein und man muss auch nicht schwarz sein. Ein Sklave ist jedes fühlende Lebewesen, welches den Unterschied zwischen Freude und Schmerz kennt, zwischen Freiheit und Unterdrückung und gegen seinen Willen gefangen gehalten wird. Und wie viele Beispiele könnte ich bringen, dass sie diesen Willen besitzen. Wie viele Affen, Tiger, Elefanten, Bären, Nerze, Rinder, Schweine und Hühner warten nur auf den einen richtigen Moment, um auszubrechen. Sklaverei begann nicht in Ägypten und endete nicht in Amerika. Sklaverei begann mit der Haltung von Tieren zu unserem Nutzen und dauert bis heute an.

Wir haben erkannt, dass Geschlecht, Religion oder die Farbe der Haut keine Gründe sind, jemanden zu diskriminieren oder zu töten. Die Zeit ist reif, endlich auch zu erkennen, dass auch die Anzahl der Beine, die Behaarung, die Sprache, die körperliche Stärke oder Intelligenz genauso bedeutungslos sind. Bedeutend ist die Fähigkeit zu leiden. Und sie erleiden Höllenqualen, genau jetzt, an Orten wie diesen hier. Orte des Grauens, die wir Tierfabriken und Schlachthäuser nennen. Und wofür?

Tiere haben Rechte. Sie sind keine gefühlslosen Maschinen. Und es ist nicht unsere Freiheit, sie wie Ressourcen zu benutzen. Die eigene Freiheit sollte dort enden, wo die Freiheit eines anderen beginnt. Das zu respektieren ist Gerechtigkeit. Wir brauchen keine größeren Käfige, wir brauchen leere Käfige. Artgerecht kann nur die Freiheit sein. Und freundliches töten bei Tieren exisitert genausowenig wie freundliches töten bei Menschen. Deswegen müssen Tiere von unseren Tellern verschwinden.

Und ich denke an unsere Kinder und die noch nicht gezeugten Generationen. Welche Welt wollen wir ihnen hinterlassen? Wenn wir so weiter machen, sind die Meere 2050 leergefischt. Mehr als ein Drittel des Fischfangs gehen direkt in die Tierindustrie. Schweine und Hühner konsumieren 6 mal mehr Fische wie die gesamten USA. Unvorstellbare Mengen Gülle verschmutzen Gewässer und Böden. Große Teile des Regenwaldes werden zerstört um Futtermittel anzubauen. Wenn wir die Erde in ein paar Jahren aufgegessen haben, was antworten wir unseren Kindern, wenn sie nach dem warum fragen? Weils eben so gut geschmeckt hat?

Wir denken zu viel und fühlen zu wenig. Wir sind überheblich geworden, nur weil wir Autos bauen und Computer benutzen können und haben dabei verlernt, wie wir unsere Herzen benutzen.
Lassen wir Landwirte wieder Landwirte sein. Geben wir ihnen die Möglichkeit, Qualität statt Quantität zu produzieren und sie werden soviel Geld verdienen, dass sie extra Leute einstellen, nur um es zu zählen. Die Wirtschaft wird nicht zusammenbrechen. Die Produktionen werden einfach umgestellt. Niemand will diesen genmanipulierten Müll. Wir können uns unsere Gesundheit wieder zurückholen, sich die Natur erholen lassen und aufhören Tiere zu töten.

Dafür muss man kein Präsident, Rockstar, Astronaut oder Professsor sein. Wir müssen nur aufhören, ihre Produkte zu kaufen. Ich weiß, einige finden es schwierig, ihre Gewohnheiten umzustellen, aber bitte denkt an die Schwierigkeiten, die die Tiere in ihren Kerkern durchstehen. Und an die Schwierigkeiten, welche zukünftige Generationen haben werden.

Aber es gibt Hoffnung und Fortschritt. Über 600 Millionen Menschen auf dieser Welt sind bereits Vegetarier. Jeden Tag entscheiden sich mehr Menschen, ihren Fleischkonsum zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Noch vor 2 Jahren habe ich selbst Tiere gegessen. Ich streichelte Hunde und aß Schweine, weil ich es nicht besser wusste. Tief in unserem Herzen sind wir gut. Wir brauchen keinen Mord. Wir brauchen Familie, liebende Partnerinnen und Partner, Freunde, gute Gespräche, ein warmes Zuhause, sauberes Wasser, frische Luft, natürliche Lebensmittel, Sport, Musik. Eine bessere Welt ist möglich. Ich weiß wir können mehr. Lasst uns Tiere von den Speisekarten streichen und aus diesen Folterkammern holen!

Samstag, 2. Mai 2015

Vorbildliche Persönlichkeiten: Karlheinz Deschner

Im Rückblick auf vergangene Lebensjahre muss ich mir leider eingestehen, dass ich viele Jahre meines Lebens letztlich verschlafen habe und mit tauben Ohren und ungeöffneten Augen nur dahinvegetierte. Weder die Sünden der Kirchen, noch das entsetzlich grosse Leid und Elend vieler Tiere waren für mich ein Thema, welches mich zurückblickend jemals sonderlich interessiert hätte. Was kümmerten mich in vergangenen Zeiten die Verbrechen, die wir tagtäglich unseren Mitgeschöpfen gegenüber zu verantworten haben? Und was kümmerten mich die Verbrechen und Sünden des sogenannten Bodenpersonals Gottes? 

Ein derartiges Desinteresse jedoch bewirkt letztlich nur eines: 
So lange wir Menschen unser Leben gedankenlos verschlafen und somit entwicklungsmäßig in unserem Denken eingefrieren und geistig Behinderte bleiben, so lange ist es dann leider auch vorprogrammiert, dass z.B.  ein Schriftsteller wie  Karlheinz Deschner für uns vernunftlosen Erdlinge ein uns unbekannter und von uns unbeachteter Autor bleibt und uns demnach auch nichts besonders Wesentliches und Wichtiges zu sagen hat.

Wie dumm von mir und welch ein nahezu unverzeihliches Versäumnis, auf Karlheinz Deschner erst vor einigen Jahren aufmerksam geworden zu sein und somit erst ziemlich spät einen erstklassigen und exzellenten Schriftsteller entdeckt zu haben, der uns allen über die Verbrechen des Christentums enorm viel Wichtiges zu sagen hat. Viele seiner Bücher widersprechen vielen vorherrschenden Lehren und Meinungen und scheuen dennoch keinerlei Kritik gegenüber bestehenden Autoritäten.
Demgegenüber ist es nur allzusehr verständlich, dass Deschner´s Werke einerseits nicht nur Zustimmung finden, sondern andererseits eben auch auf Ablehnung stoßen und sehr häufig - besonders bei Kirchenvertretern und religiösen Fanatikern - heftiger Kritik ausgesetzt sind. Besonders interessant, aufrüttelnd, unter die Haut gehend, lesens - und nachdenkenswert für alle tierliebenden und weniger tierliebenden Menschen  sind seine sensiblen Schilderungen der Tierwelt und ihrer durch uns Menschen verschuldeten Nöte. In seinem 1998 erschienenen Buch "Für einen Bissen Fleisch" liefert Karlheinz Deschner vielerlei Beiträge von bleibendem Wert zu einem ethisch fundierten Vegetarismus und zu einem Tierschutz, der diesen Namen auch tatsächlich verdient.


Frage an Karlheinz Deschner in einem Interview :
"Was denken Sie über den Tierschutz? Ist „Erbarmen mit der geschundenen Kreatur“ nicht viel zu wenig? Auch wenn es reine Utopie ist: Müsste Tieren nicht das Recht auf Leben und Unversehrtheit zugesprochen werden? Mehr noch: Müssten Tiere nicht von der Herrschaft des Menschen befreit werden?"
Antwort von Karlheinz Deschner :

"Das sind die entscheidenden Fragen. Natürlich hilft Erbarmen, hilft bloßes Mitleid mit den malträtierten Tieren nicht, falls es dabei bleibt, falls das Mitgefühl nicht Folgen zeitigt! Vorerst wäre es zwar utopisch, etwa die Schlachthöfe abschaffen zu wollen, diese weitaus größte, diese allerschlimmste Schande der Menschheit, die Vivisektion mal beiseite. Und doch könnte jeder Einzelne etwas höchst Wirksames dagegen tun, so wirksam, dass es der Beseitigung der Schande gleichkäme – durch Verzicht schlicht auf den so genannten Fleischgenuss. Das aber wollen die meisten nicht, obschon sie derart viel besser, gesünder und oft länger leben könnten, übrigens die Menschheit sich auch beträchtlich leichter ernähren ließe.

Viele sagen: Nein, ich kann keinem Tier was antun, ich kann kein Tier töten – doch sie töten es! Sie töten es, indem sie Tiere essen. „Für einen Bissen Fleisch“, klagt schon Plutarch, „nehmen wir einem Tier die Sonne und das Licht und das bisschen Leben und Zeit, an dem sich zu freuen seine Bestimmung gewesen wäre.“ Es ist unvorstellbar roh, und doch geschieht es Tag für Tag durch Jahrtausende, millionenfach. Was aber dächten und täten wir, wie würden wir die Hände ringen, jammern, flehen, kämen von irgendwoher uns weit überlegene Wesen und behandelten, folterten, fräßen uns wie wir die Tiere!

Natürlich müssten Tiere das Recht auf Leben, auf ein tierwürdiges Leben bekommen. Natürlich müssten sie unserer Herrschaft entzogen werden, für mich gar keine Frage. Die Frage ist nur: Wie? Wie den Sinn, die Gesinnung des Menschen von Grund auf ändern, fundamental verkehren, und zwar nicht bloß in dieser Hinsicht? Denn ein Mensch, der selbst seinesgleichen entwürdigt, unterjocht, versklavt, auf den Schlachtfeldern verheizt, wie sollte der Tiere schonen und schützen! Erbarmen, Verständnis für das Wesen des Tieres, für seine nahe Seelenverwandtschaft mit uns, wären Voraussetzung für seine Befreiung. Doch solange man Menschen schlachtet, wird man auch Tiere schlachten. Tolstoi wusste, wie sehr dies zusammenhängt."

Karlheinz Deschner (* 23. Mai 1924 in Bamberg; † 8. April 2014 in Haßfurt)

Was mich an diesem Schriftsteller und grossartigen Tierfreund besonders tief beeindruckt, ist seine Haltung, gegen alles zu revoltieren, was "die Lebensinteressen des Tieres verletzt – eines Wesens, das am dringlichsten Hilfe braucht, weil es am schlimmsten missachtet, am fürchterlichsten geschunden, am häufigsten und fortwährend getötet wird, kurz, weil es ständig, weil es immerzu im allergrößten Elend steckt."


Freitag, 1. Mai 2015

Vorbildliche Persönlichkeiten: Gert Haucke


Im Verlauf meiner bisher gelebten Jahre habe ich viele Menschen kennengelernt : intelligente und weniger intelligente, kluge und weniger kluge, Menschen mit Herz und Verstand, jedoch auch Menschen mit Unverstand und einem kalten Stein in der Brust. Kollegen, Nachbarn und Bekannte, mir sympathische und weniger sympathische Menschen, gute und weniger gute Freunde kreuzten meinen Weg.

Aber viele dieser Menschen haben nur selten mein Innerstes berührt und keines ihrer Worte, sowie auch nicht die von ihnen verfochtenen Meinungen und Standpunkte vermochten mich aus meinem langjährigen Tiefschlaf bestürzender Gedanken - und Teilnahmslosigkeit aufzuwecken.
Nein, da musste erst eine Persönlichkeit namens Gert Haucke an meine eingefrostete Herzenstür anklopfen und dank seines Artikels "Keiner hört ihre Schreie" begann ich endlich aufzuwachen, endlich aus meinem Sarg der Gleichgültigkeit, der Unmoral und des verantwortungslosen Handelns und Denkens herauszusteigen.

Gert Haukes damaliger Artikel hatte mir Augen und Ohren geöffnet, mich endlich wachgerüttelt und mich mitten ins Herz getroffen. Wohl uns, wenn Menschen mit Herz und Verstand uns mitten ins Herz treffen und somit unser Leben positiv verändern und beinflussen. Wohl uns , wenn wir aufgrund ausgesprochener oder geschriebener Fakten und Wahrheiten seitens großartiger Menschen unser bisheriges Leben, Denken und Handeln als fatalen Irrtum erkennen und unserem zukünftigen Dasein somit eine gänzlich neue Richtung zugewiesen ist.

Dann mag so mancher "liebenswürdige" Mitmensch über uns tierliebende Menschen und Tierschützer getrost seinen Kopf schütteln, uns als Utopisten oder als radikale Spinner verunglimpfen: Unsere Stimme gehört denen, die keine Stimme haben. Und das, was wirklich zählt, was notwendig ist und der Wahrheit am nächsten steht, dies alles finden wir nicht bei jenen Typen, die über uns ihren meist hohlen Kopf schütteln, sondern wir finden es dort, wo Menschen unsere Sinne und Herzen berühren und etwas in uns mobilisieren, was unsere Unmenschlichkeit aufweicht und uns wieder zu Menschen werden lässt.

Gert Hauke: "Und keiner hört ihre Schreie"

Der Mensch ist ein grauenhafter Irrtum der Natur. Der Mensch ist ein Ungeheuer. Und zwar das einzige auf diesem Planeten. Von den höheren Tieren unterscheiden ihn zwei Fähigkeiten. Er allein weiß, daß er sterben muß. Und er besitzt ein moralisches Bewusstsein. Und trotz dieses Bewusstseins dreschen Menschen erbarmungslos auf alles ein, was lebt, zerstören in endlosen Amokläufen die ökologische Balance, die in Jahrmillionen gewachsen ist. Vergiften und verwüsten ganze Landstriche, ihre Flora, ihre Fauna.

Zwei wichtige biologische Gesetze gibt es, die arterhaltend sind :

Erstens: Aggressionen gegen die eigene Art müssen ritualisiert ablaufen, so daß Verletzungen weitgehend vermieden werden.
Zweitens: Jede Tierart muß aus eigener Kraft mit Über - oder Unterpopulation fertig werden.

Zu erstens: Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in der kurzen Spanne von nur einem halben Jahrhundert weltweit mehr als 200 Kriege, Massaker, politisch organisierte Todschlägereien.

Zu zweitens: Anfang des 19. Jahrhunderts lebten auf der Erde rund eine Milliarde Menschen. Heute haben wir die Sechsmilliardengrenze fast erreicht. Wenn Tierarten ebenso unfähig wären, ihre Population zu regulieren, dann könnten wir wahrscheinlich vor Zebras, Elefanten, Großkatzen oder Nacktschnecken nicht treten. Die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte der Gewalt. Und jahrtausendelang ist es vor allem die Geschichte von Gewalt, Ausbeutung und endlosen Misshandlungen gegen die Tiere.

250 Millionen Schlachttiere werden Jahr für Jahr quer durch Europa geschleift. Schier endlose Kilometer Todestransport mit brutal zusammengepferchten, halbverdursteten, zum Teil schwer verletzten Tieren, die mit Knüppeln, Elektrostäben und Forken in Waggons getrieben werden.

Waggons voller Tierleiber, Todesschweiß und Kot. Milliardengeschäfte. Vom Norden und Osten Europas geht es in qualvollen Tagen und Nächten an die Mittelmeerhäfen. Zerschunden, von Wunden bedeckt, mit gebrochenen Gliedern, mehr tot als lebendig, werden die Tiere auf Schiffe in den Orient verladen.

Bei diesem gnadenlosen Geschäft interessiert die skrupellosen Täter nur eins: die Belohnung aus Brüssel. So bezahlte die Europäische Union etwa 1994 dem subventionsgeilen Exporteur bei sogenannten Drittland-Ausfuhren einen Zuschuss von 2,38 Mark pro Kilo Lebendgewicht.

Für einen Schlachtbullen zum Beispiel kassiert der Betreiber dieser Horrordeals bis zu 1500 Mark. In einem einzigen Jahr sackten die deutschen Lieferanten für 130000 Rinder, die in den Libanon verschachert wurden, 150 Millionen Mark EU-Gelder ein. Steuergelder von Bürgern, die sich vor den Alptraumbildern dieser Folterfahrten entsetzen.

Und was tun die politisch Verantwortlichen? Die Herren vertreten ein EU-Recht, das Agrar-Diktatur bedeutet, Verbrechen an Nutztieren legalisiert, Subventionsbetrügereien in Millionenhöhe möglich gemacht hat, Steuern in Milliardenhöhe verschleudert, mitverantwortlich ist für BSE-Skandallösungen. Der Katalog der Fehlentscheidungen aus Brüssel ist endlos. Auch die politisch Verantwortlichen in Deutschland arbeiten als Erfüllungsgehilfen der EU-Politik.

Es ist der dreckige Deal mit Abermillionen gefolterter Tiere aus Massentierhaltungen, es ist die Duldung von Herodesprämien für das Serienkillen von Kälbern. Diese Verbrechen passieren millionenfach, legal, staatlich subventioniert, verklärt durch Schönrederei und Pharisäersprüche. Das ist die Moral von Metzgern, die Ideologie von Schlachthausbetreibern.

Nicht nur den "Nutztieren" bereitet der Mensch die Hölle. Auch für die Hätschelobjekte Hunde und Katzen haben sich aus Profitgier und Modewahnsinn kommerzielle Vermehrer Monstrositäten ausgedacht. Die sogenannten Zucht-Schauen präsentieren zunehmend teure Krüppel, Invaliden auf Lebenszeit. Weil mit normal gewachsenen, gesunden Hunden offenbar weniger Sensation, weniger Geld zu machen ist, werden todkranke Zwerge und Riesen herausmutiert:

Hunde ohne Haare, Hunde, die nur aus Hautfalten bestehen, großvolumige Hunde mit Stummelbeinen und Hunde, deren Haarfülle jede Bewegung zur Qual macht. Große Augen werden züchterisch so vergrößert, daß sie dem Tier bei Erregung aus den Augenhöhlen fallen, kleine Augen so extrem verkleinert, daß die Augenlider nach innen kippen und lebenslang die Hornhaut penetrieren. Ergebnis: wahnsinnige Schmerzen, spätere Blindheit. Man hat riesige Ohren gezüchtet, die am Boden schleifen, normale Ohren abgeschnitten, Krüppelschwänze hergestellt und normal gewachsene amputiert.

120000 Rassehunde werden in der Bundesrepublik offiziell Jahr für Jahr züchterisch "hergestellt". Gleichzeitig werden Jahr für Jahr Zigtausende Hunde von überdrüssigen Besitzern erschlagen, ersäuft, aus fahrenden Autos geworfen, im Wald zum qualvollen Verrecken angebunden oder in Mülltonnen "entsorgt". Die am wenigsten brutalen Hundehalter geben lästig gewordene Tiere wenigstens im Asyl ab und die Tierheime quellen über von Opfern.

Auch Katzen bleiben nicht vom Irrsinn menschlicher Moden und Willkür verschont: Damit sie teure Möbel nicht verkratzen, operiert man ihnen die Krallen heraus. Ein überlanges Fellkleid macht das Jagen unmöglich, die rücksichtslos verkürzten Nasen schaffen schwere Atemprobleme. Es gibt Nacktkatzen und um als schicker Besitzer aufzufallen die reinweiße Züchtung: damit verbunden Taub- oder Blindheit, manchmal beides.

Für Militär, Kosmetik, Medizin und sogenannte Wissenschaften werden in den Versuchslaboratorien jährlich Hunderttausende von Tieren verbrannt, verbrüht, vergiftet, erdrosselt, erstickt, ertränkt, mit Stromstößen umgebracht, rauschgiftsüchtig gemacht und als lebende Zielscheiben beschossen. Man zertrümmert ihre Knochen, implantiert in die Hirne Elektroden, steckt sie in Fesselungsapparate und Gipspanzer, damit sie nicht zappeln und zucken. Und um ihre qualvollen Schreie nicht hören zu müssen, zerschneidet man ihnen praktischerweise die Stimmbänder. Fachjargon: "entbellen".

In der modernen Massentierhaltung werden Schweine, Rinder, Kälber und Hühner in drangvolle enge Käfige und Koben gepfercht. Da stehen, schwanken und liegen sie auf Gittern, Spaltböden oder Beton, haben deformierte Gelenke, beißen sich gegenseitig Ohren und Schwänze ab, vegetieren unter Folterbedingungen. Bis zum Schlachthof.

Kein Leben vor dem Tod auch für die Hunderttausende von Nerzen, Füchsen, Nutrias und Chinchillas in den Petztier-Farmen. Mit zerrissenen Pfoten, entzündeten Mäulern, vereiterten Augen, vollgepumpt mit Medikamenten gegen Infektionen, die den "Bestand" vernichten könnten, warten sie auf den Erstickungstod mit Kohlendioxid, den Elektroschock, die Todesspritze oder Traktorabgase, bis sie zum eleganten Pelz für die Damen abgehäutet werden.

Der gefeierte Philosoph Rene Descartes betrachtete Tiere als seelenlose Objekte, als bloße "Maschinen" und resümierte folgerichtig: "Ihre Schmerzensschreie bedeuten nicht mehr als das Quietschen eines Rades". Diese ethische Einstellung scheint noch 350 Jahre später gültig zu sein. Die kartesische Kälte beherrscht unsere Profit- und unsere Amüsiergesellschaft. Von der Kotelett-Mafia bis zu den Voyeuren in Stierkampfarenen.

Auch am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts quält unsere Gesellschaft Tiere so schamlos, als wären die Schreie der Gefolterten nur das lästige Geräusch quietschender Räder. Die Kaufleute des Todes betreiben erfolgreich wie nie ihr furchtbares Geschäft.

Die Bibel erzählt uns die Entstehungsgeschichte der Welt und berichtet, wie der Schöpfer Tag für Tag schöpft, was das Zeug hält: Berg und Tal, Fluß und Meer, Himmel und Wolken und am Ende jeden Tages das Geschöpfte für durchaus gelungen hält. Bis zum Mittag des sechsten Tages hat der Herr aller Dinge sämtliche Tiere erschaffen und formt sodann ein Menschenpaar. Und zwar nach seinem Bilde.

Der offensichtlich schon reichlich Ermüdete gibt dann noch den beiden Frischgebackenen den Auftrag, die Erlaubnis - so genau ist das nicht formuliert - mit allem bisher Erschaffenen nach Belieben zu verfahren.

Es war Samstagabend, der Schöpfer war auch an diesem Tag rundum mit sich zufrieden und ordnete den Sonntag als Ruhetag an, worauf er sich erschöpft zurückzog. Hätte er nicht, wie jeder vernünftige Arbeitnehmer, am Samstagmittag Schluß machen können?

Gert Haucke
(* 13. März 1929 in Berlin; † 30. Mai 2008 in Lüneburg)