»Auschwitz fängt da an, wo einer sagt oder denkt: ES SIND JA NUR TIERE.« Theodor W. Adorno, Philosoph, Soziologe (* 11. Sept. 1903 † 06. August 1969)
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Samstag, 21. April 2018

Bevölkerungswachstum und Antinatalismus

 

Tiefgründiges Interview einer großen deutschen Zeitung mit Karim Akerma 


Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos schreiben hierzu in ihrem aktuellen Newsletter:

Liebe Freunde der Tiere, in mehreren Rundmails hatten wir Sie bereits mit dem Antinatalismus, der Nachkommenlosigkeit bei Mensch und Tier, bekannt gemacht. Antinatalismus (Wortbildung nach lat. nasci: geboren werden) ist eine Moraltheorie, die tiefer ansetzt als alle herkömmliche Ethik. Alle bisherige Ethik geht von der Prämisse aus, dass Menschen und Tiere existieren (sollen) und sie fragt, wie die existierenden Menschen handeln sollen. Die Frage hingegen, ob Mensch und Tier überhaupt sein sollen, welche in der Geschichte von Denkern schon mehrfach berührt wurde, erhielt seine Dringlichkeit jedoch erst, als die Wachstumskurve der Menschenflut in den exponentiellen Bereich, in den unbeherrschbaren Bereich, überging.

Zur Erinnerung die Entwicklung in Zahlen: Die Erdbevölkerung nimmt täglich um netto ca. 200.000 Köpfe, jährlich also um mehr als 80 Millionen Menschen zu. Aus dieser Zunahme resultieren nahezu alle Umweltprobleme sowie Artenschwund und Naturvernichtung. Die Tragfähigkeit des Planeten Erde ist längst überschritten, Chaos vorprogrammiert. Zugegeben ein schwieriges Thema, aber ein Thema, bei dem es sich lohnt, intensiv darüber nachzudenken und eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen.

Zur vertieften Information können Sie diverse Texte und Analysen rund um diesen Themenkomplex hier nachlesen: 

Heute möchten wir diesen Diskurs mit einem höchst interessanten und tiefgründigen Interview von Dr. Karim Akerma fortführen und ergänzen. Es handelt sich um ein Interview mit einer großen deutschen Zeitung, das im Nachhinein abgelehnt wurde und nicht zur Veröffentlichung gelangte. Den Text des Gespräches finden Sie nachstehend :


Herr Akerma, Sie wollen, dass die Menschheit aufhört sich fortzupflanzen. Warum?

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Wir können uns doch zum Beispiel auf den ethischen Grundsatz einigen: Handle niemals so, dass ein Mensch aufgrund deiner Handlung sterben muss – abgesehen vielleicht von Notwehrsituationen. Jetzt ist es aber so, dass ein Kind, das ich in die Welt setze, zwangsläufig irgendwann stirbt. So ist die Welt eingerichtet. Folglich sollte ich nicht zeugen. Eltern verurteilen ihr eigenes Kind immer auch zum Tode.

Ist das verwerflich? Sie haben dem Kind das Leben doch überhaupt erst geschenkt.

Das ist eine beschönigende Metapher. Jemandem, der nicht ist, kann ich nichts schenken. Präziser müsste man sagen, dass Eltern so gehandelt haben, dass sich ein Mensch genötigt sieht sein Leben zu führen. Schon der große Aufklärer Kant hat die sogenannte Natalschuld-Umkehr angeregt. Kinder haben ja gar nicht nach Dasein gefragt. Sie fanden sich einfach vor und zwar auf Geheiß ihrer Erzeuger.

Sind Sie Ihren Eltern denn böse? Leben Sie nicht gerne?

Doch. Es gibt vieles, was das Leben für mich lebenswert macht; menschliche Begegnungen, Musik, Literatur, Sport. Es ist doch so: Niemand wollte zu leben beginnen. Aber wenn man einmal da ist, muss man weitermachen. Da wirken biologische Gesetze. Und solange keine Krankheiten, Trauerfälle und andere Katastrophen im Wege stehen, tun die Leute das sogar gern. Ich bin da keine Ausnahme.

Dann können Sie sich sicher auch freuen, wenn ein glückliches Paar seinen Kinderwagen an Ihnen vorbei schiebt?

Im nächsten Moment komme ich dann aber an einem Greis vorbei, dem Einsamkeit und Schmerzen ins Gesicht geschrieben stehen. Ich frage mich dann immer, ob den jungen Eltern eigentlich klar ist, dass ihr süßes Kind eines Tages auch so ein trauriger Alter wird. Irgendein blinder Fleck sorgt offensichtlich dafür, dass ihnen der Zumutungscharakter des Lebens verborgen bleibt.

Zumutungscharakter des Lebens? Ich dachte Sie leben gern?

Ich bin Philosoph. Unsere Aufgabe ist es, das vermeintlich Naheliegende in Frage zu stellen. Dazu gehört auszusprechen, dass unser Leben aus einer Reihe von Zumutungen besteht. Wir bewältigen ein fürchterliches Pensum. In der Schule sitzt nicht immer die fröhlich schreiende Meute. Da wird auch unter Stress und Schikanen gelitten. Es folgen 40 Jahre Berufsleben, dominiert von Langeweile oder Überforderung. Dann geht es mit einem Tritt in den Hintern in Rente. Von 100 Prozent auf fünf von einem Tag auf den anderen. Keiner gibt es zu, aber die meisten kommen damit nicht klar.

Zumindest hierzulande führen die meisten aber doch ein glückliches Leben. Wieso sehen Sie alles so schwarz?

Ich halte die ständige Rede vom Glücklichsein für einen Schutzmechanismus der Gesellschaft, um unser Fortleben als Gattung zu rechtfertigen. Ein sozialer Effekt, eine Art unterbewusste Verschwörung. Wir versichern uns ständig, dass das Leben in Ordnung ist. Aber, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, dann klagen die Leute. Über den Job oder das gestörte Verhältnis zum Partner. Wir sind sehr gut im Verdrängen. Fast jeder kennt jemanden, der seit Jahren seelisch oder körperlich leidet. Aber haben Sie schon mal von chronischem Glück gehört?

Muss das denn unser Anspruch sein? Das viel zitierte „kleine Glück“ entschädigt doch immer wieder für vieles.

Das ist ein verbreitetes Missverständnis. Viele stellen sich Glück und Leid als Größen vor, die sich verrechnen lassen. Wenn man das konsequent zu Ende denkt, müsste man fragen: Hat das deutsche Wirtschaftswunder, das Millionen Glück gebracht hat, das Leid der Menschen in den Konzentrationslagern kompensiert? Der Verlust eines engen Freundes ist nicht dadurch vergessen, dass ich danach noch tollere Menschen kennenlerne. Leid wiegt ethisch schwerer als Glück.

Das müssen Sie erklären.

Die Grundlage meiner Überlegung ist der sogenannte negative Utilitarismus. Utilitaristisch handeln, heißt das Glück der größtmöglichen Zahl anzustreben. Nun maße ich mir nicht an, zu wissen, wie man das allgemeine Glück mehrt. Deshalb drehe ich das Prinzip um, denn wie sich Leid verhindern lässt weiß ich. Ganz einfach, indem ich verhindere, das Wesen die leiden können, überhaupt zu existieren beginnen. Das widerspricht zwar unserer Intuition, ist aber eigentlich bestechend logisch.

Wie versuchen Sie diese Einsicht zu verbreiten?

Man kann den Leuten zum Beispiel vor Augen führen: Wenn Kinder vor ihren Eltern sterben, ist das das Schrecklichste was ihnen passieren kann. Da würde jeder zustimmen. Nun sterben aber alle Kinder. Auch, wenn sie 90 werden, bleiben sie doch die Kinder irgendwelcher Eltern. Die Schrecklichkeit des Sterbens ist nicht dadurch aus der Welt, dass die Eltern vor ihren Kindern gehen. Eltern tun aber so.

Dass ihre Kinder irgendwann sterben, ist den Eltern doch klar. Wenn ein Kind stirbt, ist nicht der Tod so schrecklich, sondern die verpasste Chance auf ein erfülltes Leben.

Wer so denkt, ist immer noch mindestens senilitätsblind. Sie blenden aus, dass Ihr Kind dazu verurteilt ist, alle möglichen Altersleiden durchzustehen. Um deutlich zu machen, was da eigentlich passiert, müssen Sie den Euphemismus „Senioren-Residenz“ durch „Geronto-Lager“ ersetzen. Das ist der Skandal unserer Gesellschaft! Millionen Menschen sind dazu verurteilt, ihren Lebensabend in unwürdigem Zustand zu verbringen. Im Buch „Wie wir sterben“ zeigt der kanadische Kliniker Sherwin B. Nuland, dass das Sterben in den allermeisten Fällen eine furchtbare Sache ist. Die Leute schlafen nicht ruhig und mit beseeltem Lächeln ein. Der Organismus übernimmt das Ruder und hält die Leute noch Monate lang am Leben. Meist von entsetzlichen Ängsten und Schmerzen begleitet.

Wie fallen die Reaktionen aus, wenn Sie versuchen, das Eltern zu erklären?

Das reicht von Verständnis und ehrlichem Interesse, bis hin zu erbitterten Anfeindungen. Mir wird oft gesagt, zu denken wie ich sei böse. Manche glauben, ich wäre für die Vernichtung der Menschheit. Dabei plädiere ich ja nur für ein freiwilliges Verebben, das ist das genaue Gegenteil. Viele sagen, ich sei ein Pessimist. Denen kann ich bloß erwidern: Schaut in das Führungszeugnis der Menschheit, unsere geschriebene Geschichte. Die Menschen haben schon immer gemartert und sich geängstigt, es wurde nie besser. Wann soll die Probezeit unserer Gattung zu Ende sein, wenn nicht allerspätestens bei Auschwitz?

Würden Sie nicht unterschreiben, dass die Tendenz seither ziemlich positiv ist?

Nur auf den ersten Blick. Aller Fortschritt in Sachen Humanismus und Produktivität, ist leider untrennbar mit dem der Destruktivkräfte verflochten. Denken Sie an die frühe Neuzeit. Man ließ Gott hinter sich, tausende Möglichkeiten brachen auf und gleichzeitig begann mit der Erfindung der Feuerwaffen eine nie dagewesene Vernichtungsorgie. Anderes Beispiel: Atomkraft. Die war nicht bloß energiepolitischer Segen, sondern durch die Unfall-Gefahr und die Bombe höchst problematisch. Wie kann man in eine Welt in der sich unaufhaltsam das Klima wandelt, noch Kinder setzen? Das ist ein Lotteriespiel, letztlich ein Experiment mit Menschen. Wer das ausspricht, wird aber verfemt.

Sie spielen auch auf Ihren Habilitationsversuch an. Der scheiterte 1997 an einem 5:4-Votum.

Ich war damals mit dem Thema Antinatalismus im deutschsprachigen Raum allein auf weiter Flur. Deshalb habe ich naiver Weise angenommen, das wäre ein akademischer Türöffner. In Hamburg hat man das Recht, nach einem gescheiterten Habilitationsversuch die Handexemplare zurückzubekommen. Das wussten manche Mitglieder der Kommission offensichtlich nicht. Ich konnte an den teils sehr despektierlichen Randbemerkungen sehen, dass meine Arbeit nicht immer sachlich, sondern mit unterdrückter Wut gelesen worden war.

Was stand da am Rand?

Unwissenschaftliche Dinge wie „ach ja?“ und „sieh mal an?“ Als sei es völlig absurd, Dinge konsequent zu Ende zu denken. Dabei hat schon Kant die Frage aufgeworfen: Sollen Menschen sein? In meiner Verhandlung, so wurde mir zugetragen, wollte ein ausgewiesener Kant-Spezialist davon dann aber nichts mehr wissen. Es ist immer noch so, dass Autoren weltweit zu dem Thema lieber unter Pseudonym veröffentlichen. Weil sie sich vor gesellschaftlicher Ächtung oder Karrierenachteilen fürchten.

Sie sind verheiratet. War Ihre Frau von Anfang an mit Ihrer Sicht auf die Familienplanung einverstanden?

Sie hat das berühmte Ticken der inneren Uhr zum Glück nie gehört. Man sagt ja, dass Frauen ab 35 nervös würden und unbedingt Kinder wollten. Die Forschung weiß aber inzwischen: Das ist kein Ruf der Biologie, sondern bloß soziale Suggestion.

Soziale Suggestion?

Ja. Da auszubrechen erfordert Mut. Man könnte sagen, der Antinatalismus ist seinem Wesen nach eigentlich feministisch. Simone de Beauvoir war da in fast geschmackloser Weise Vorreiterin. Die hat Sprüche gebracht, wie: Ich möchte nicht, dass ein Polyp in meinem Inneren die Macht über mich ergreift. Die Gesellschaft betrachtet Frauen unterbewusst immer noch als reine Biologie. Frauen sind aber Kulturwesen, die entscheiden dürfen, statt von ihrer Biologie durchherrscht zu sein.

Indem wir die Menschheit langsam aussterben lassen, beantworten wir also die alte Frage, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht?

Ganz genau. Wenn der Mensch wirklich ein Kulturwesen ist, muss er auch in der Frage seines eigenen Gattungsendes kulturbestimmt handeln.

Wie stellen Sie sich das denn vor, wenn die letzten Menschen sterben? Irren da Verzweifelte durch postapokalyptische Landschaften? Oder klopfen die sich auf die Schulter?

Gute Schriftsteller haben die Psyche solcher letzten Menschen erforscht. Ich denke an Hannelore Valencak „Die Höhlen Noahs“ oder Marlen Haushofers „Die Wand“. Wenn man denen glauben kann, ist das Ganze erträglich. Wenn die Betreffenden Einsicht in die Notwendigkeit des Antinatalismus hätten, wäre es sogar noch einfacher. Das Ende der Menschheit bedeutet ja das Ende aller Hungersnöte, aller Kriege, der Senilität, des Alleinseins. Es wäre das letzte Alleinsein, auf das kein weiteres Alleinsein folgen würde. Trotzdem entbrennt in der Literatur unter dem Menschheitsrest immer die Debatte, sollen wir es noch mal wagen? Wir sind wohl noch nicht so weit.

Sie glauben, das wird sich in absehbarer Zeit ändern?

Ich hoffe es. Der Antinatalismus kommt den meisten Menschen heute absurd vor. Das galt vor wenigen Jahrzehnten aber genauso für den Vegetarismus. Inzwischen beginnt die Einsicht Fuß zu fassen, dass Tiere empfindsame Wesen sind, die wir nicht einfach zu unserem Nutzen hervorbringen dürfen, weil es Alternativen gibt. Ich sage: Ebenso wenig dürfen wir einfach Nutzmenschen hervorbringen.

Nutzmenschen?

Ja, ursprünglich sind wir nichts anderes. Kinder erleichtern den Eltern vermeintlich die unerträgliche Schwere des Daseins. Sie stabilisieren. Wenn wir Kinder machen, dann ausschließlich für uns selbst.

Sollte man den Antinatalismus zur Not staatlich verordnen? Stichwort Ein-Kind-Politik in China.

Wenn damit Leid verhindert werden kann, bin ich dafür. Wir lesen viel davon, dass die Familien dort unter dieser Politik gelitten hätten. Aber keiner fragt, was passiert wäre, wenn die Bevölkerung ungebremst weitergewachsen wäre. China ist zwar riesig, hat aber pro Kopf kaum Anbaufläche. Ohne staatlichen Antinatalismus wären Hungersnöte nicht zu vermeiden gewesen. Über die konkrete Umsetzung muss man aber diskutieren.

Was müssten wir Menschen ändern, damit auch Sie sich mit der Weiterexistenz unserer Gattung anfreunden könnten?

Es gibt ja schon lange Bestrebungen uns biologisch oder technisch besser zu machen, unempfindlich für Leid und so weiter. Da geht dann aber vielleicht das bisschen Empathie drauf, über das wir verfügen und das Problem der Überbevölkerung ist auch noch nicht geklärt. Ich halte diesen sogenannten Transhumanismus für die letzte Fluchtstrategie vor der notwendigen Einsicht in den Antinatalismus.

Dieses Interview mit Dr. Karim Akerma findest Du auch hier:
http://www.pro-iure-animalis.de/index.php/antinatalismus/articles/antinatalismus-interview-mit-karim-akerma.html

Freitag, 24. Juli 2015

Schlachttiere sterben nicht selten sehr qualvoll

Das Tier in der engen Betäubungsbox hat grosse Angst. Zwischen seinen weit aufgerissenen Augen presst ihm ein Mann das Bolzenschussgerät an die Stirn und drückt ab. Das Rind bricht zusammen, rappelt sich auf wackeligen Beinen wieder auf. Noch einmal schießt der Mann, doch es hebt noch den Kopf, als ein Metallschieber es aus der Box befördert. Das Tier zuckt und windet sich, als eine Kette um sein Hinterbein geschlungen und es vom Fließband hochgezogen wird. Es ist noch immer nicht völlig ohne Bewusstsein, als ein Kopfschlächter das Messer ansetzt, um es durch einen Stich ausbluten zu lassen.

Eine Szene aus einem deutschen Schlachthof und beileibe kein Einzelfall bei millionenfachen Rindern, die Jahr für Jahr in Deutschland geschlachtet werden. Rinder werden durch einen Bolzenschuss in den Kopf betäubt. Dieser Bolzenschuss soll sie "wahrnehmungs - und empfindungslos" machen, wie es das Gesetz verlangt, bevor sie - wie alle anderen Schlachttiere auch - durch Blutentzug getötet werden.

Die oben geschilderte Szene macht jedoch klar und deutlich, dass dieser Bolzenschuss nicht immer funktioniert und alltäglich bei einigen Tieren seine Wirkung verfehlt. Hinzu kommt, das für das Töten eines Rindes in den Schlachthöfen nur wenig Zeit vorgesehen ist und weitere Betäubungsversuche nur den Betrieb aufhalten und sämtliche auf Akkord getrimmten Abläufe behindern.

Kein Wunder also: so manches Tier ist noch bei Bewusstsein, wenn es aus der Betäubungsbox geschoben und abgeschlachtet wird. Solcherlei Verstöße gegen die Schlachtverordnung sind skandalös, jedoch  wo kein Kläger ist, dort ist meistens auch kein Richter. Tierschützer, denen es gelingt, dann und wann Schlachthöfe unter die Lupe zu nehmen, stellen auch oftmals fest,  dass nicht nur Rinder auf derart qualvolle Weise geschlachtet werden, sondern auch Schweine und andere Tiere.

Übrigens: allein in Deutschland wurden noch nie so viele Schweine geschlachtet und verarbeitet wie in den vergangenen Jahren. Und dies auf Hochtouren, bis an die Kapazitätsgrenzen. Moderne Fleischfabriken machen dies möglich und vermögen pro Tag 20.000 Tiere zu schlachten. Schweine werden allerdings nicht mit Bolzenschüssen, sondern mit Strom oder Gas betäubt. Die Elektrozange, die ein Schlächter in kleineren Schlachthöfen einem Schwein noch hinter die Ohren hält, ist in Großbetrieben schon längst nicht mehr effektiv, weil hier im Sekundentakt getötet werden muss.

Wie aber auch immer die Betäubung gehandhabt wird: In vielen Schlachthöfen, so die Vorwürfe von Experten, komme es vor, dass Schweine, die bereits schon am Fließband hängen, versehentlich überhaupt nicht oder nicht richtig abgestochen werden. Solche Tiere erwachen auf dem Weg ins Brühbad wieder aus ihrer Betäubung und erleiden in diesem Brühbad einen schrecklichen, grausamen Tod.

Jedes Jahr, so haben Untersuchungen ergeben, geraten etwa eine halbe Million Schweine lebend in die Brühanlagen. Welch furchtbare Schmerzen muß wohl ein Tier über sich ergehen lassen und welch einen grausamen Todeskampf muss es durchleiden, wenn es noch lebendig im kochenden Dampfbad verbrühen muss?

Fehlbetäubungen und grausame Schlachtvorgänge sind also keine Seltenheit in den Schlachtbetrieben. Letztlich sind aber nicht nur diese Fehlbetäubungen skandalös, sondern nicht weniger schlimm, verwerflich, unmoralisch und unmenschlich ist die traurige Tatsache, dass Tiere überhaupt geschlachtet und als sogenannte "Nutztiere" zu einer bloßen Ware degradiert werden.


Und selbst dann, wenn es keine Fehlbetäubungen in den Schlachthöfen geben würde: 
Woher nehmen wir Menschen uns eigentlich das Recht, Tiere um unserer gewissenlosen Freßsucht willen in Massentierhaltungsfabriken zu mästen, zu quälen, zu peinigen und schliesslich brutal, barbarisch und grausam zu töten, zu ermorden und abzuschlachten? Dieses Recht finden wir weder in unseren Bäuchen noch in unseren Gewohnheiten und Traditionen.

Und weil wir in einem Land leben, in dem die sogenannten "christlichen Werte" von Kirche und  Politik himmelhochjauchzend verehrt und verteidigt werden, möchte ich hinzufügen: Wir finden dieses Recht auch nie und nimmer in der Bibel oder in anderen religiösen Schriften, denn falls es einen vollkommenen, allmächtigen und allgütigen Gott tatsächlich geben sollte, dann wäre dieser Gott mit Sicherheit nicht jener Gott, den uns die Bibel einzuhämmern, vorzugaukeln und zu verkündigen bemüht ist, denn der biblische Gott ist ein grausamer und ungerechter Gott.

Und ich spinne diesen Faden noch ein wenig weiter, denn wenn es tatsächlich diesen Gott geben sollte, der sich laut christlicher Überzeugung und kirchlicher Lehre in der Bibel uns Menschen offenbart hat, dann ist letztlich alles, was die angeblich vom Heiligen Geist erfüllten und durchdrungenen Propheten und anderen Märchenerzähler der Bibel in ihrer tierverachtenden Position und Denkweise über diese vermeintlichen Rechte predigten und verkündigten, die größte Gotteslästerung, die man sich vorstellen kann.

Nein, aus dem Nichts heraus hat der Mensch dieses vermeintliche Recht einfach an sich gerissen, weil nicht irgendein Gott, sondern der Teufel höchstpersönlich der "Krone der Schöpfung" ins Gehirn eingetrichtert hat, sich hemmungslos alles erlauben und herausnehmen  zu dürfen. Welch ein Zeugnis menschlicher Arroganz, Tiere schonungslos auszubeuten, sie zu quälen, ihnen Leid zuzufügen und ihnen schliesslich um einiger Gelüste und gewohnheitsmäßigen Bedürfnisse willen auf grausame Art und Weise das Leben zu nehmen.

Es will einfach nicht hineinpassen in meinen Kopf: dies alles ereignet sich im 21.Jahrhundert Tag für Tag und Stunde für Stunde im "Kulturland" Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt. Und jene, die vieles ändern könnten, wenn sie es nur wollten, nämlich unsere "ehrenwerten Volksvertreter und Politiker, die uns Regierenden in den oberen Etagen, verschanzen und verkrümeln sich angesichts steinzeitlicher Grausamkeiten und Foltermethoden hinter dem angeblich "besten Tierschutzgesetz der Welt" und den somit geltenden tierschutzgerechten Richtlinien.


Doch wie gut, nützlich und sinnvoll ist dieses Tierschutzgesetz eigentlich und letztlich, wenn es aus Rücksichtnahme auf religiöse Traditionen und Überzeugungen das Schächten von Tieren zuläßt oder das Kastrieren und andere schmerzliche Eingriffe ohne Betäubung der betroffenen Tiere erlaubt? Das Wohlergehen und der erforderliche Schutz unzählig vieler Tiere - wird dies nicht alles tagtäglich mit Füßen getreten?

Und andererseits hat es sich doch auch längst schon  herumgesprochen, dass Verstöße gegen das bestehende Tierschutzgesetz meist nur harmlos, ungenügend und lächerlich geringfügig strafrechtlich verfolgt werden. Tiere zu quälen ist in unserer Gesellschaft offenbar weniger schlimm als eine Bank auszurauben oder einen Menschen ins Gesicht zu spucken und als ein "Arschloch" zu bezeichnen.

Aber wie auch immer: die Politiker könnten vieles ändern, wenn sie es nur wollten. Die Verbrechen in den Massentierhaltungsfabriken, die Verbrechen während der Tiertransporte und in den Schlachthöfen sind seit Jahrzehnten bekannt. Aber ist das Bekämpfen dieser Verbrechen tatsächlich die Aufgabe von Tierschützern? Nein, es ist doch wohl mehr die Aufgabe unserer Politiker. Oder? Wahrhaftig: Diese Welt - sie ist ein Irrenhaus! Alle wissen es und alle machen mit.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Welthungerkrise durch Fleischkonsum

Gekürzter Artikel von Aktisten des Tierschutzvereins "Die Tierfreunde e.V."

Derzeit leiden über 840 Millionen Menschen an Unterernährung oder Mangel an gesunden Lebensmitteln. Jede Minute sterben weltweit elf Kinder an Hunger. Die Verzweiflung der Menschen löste Revolten in Nordafrika, Asien und Lateinamerika aus. Die Herstellung von Biosprit aus Getreide macht derweil das Auto zum Nahrungskonkurrenten, Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Dürren durch den Klimawandel sind weitere Ursachen der Krise.

Weitaus höheren Einfluss hat allerdings die fortwährend steigende Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln. Fleisch ist Lebensmittelverschwender Nummer eins. Zur Produktion einer tierischen Kalorie werden je nach Tierart fünf bis dreißig pflanzliche Kalorien verfüttert. Beim Rind bleiben deutlich über 90 Prozent der Nahrungsenergie auf der Strecke. Um die Tiere in unserer Agrarindustrie zu ernähren, wird Getreide zu großen Teilen aus Lateinamerika importiert.

Europa ist aus klimatischen und geografischen Gründen nicht in der Lage, genug Futter zu produzieren, um den Fleischhunger zu befriedigen: 77% des Proteinfutters werden eingeführt. Auch für deutsche Schweinemästereien und Milchfabriken brennen Regenwälder, um neuen Platz für Futtergetreidefelder zu schaffen. Im letzten Jahr hat Deutschland den Import von Getreide um 50% von 3 Mio. t auf 4,5 Mio. t gesteigert.

Der globale Markt zahlt gut, der Anbau von Nahrungsmitteln für die Menschen in den armen Ländern lohnt sich nicht mehr. Die Entwicklungs- und Schwellenländer selbst werden, häufig nicht zuletzt wegen der Korruption in diesen Staaten, dieser Entwicklung keinen Einhalt gebieten können. Nur die reichen Länder können durch eine veränderte globale Nachfrage Änderungen erwirken.

Die Politik der reichen Staaten unterstützt indes weiterhin die tierhaltende Agrarindustrie und kurbelt damit die Lebensmittelverschwendung an, statt Alternativen zu fördern und nachhaltige Lösungswege beim Namen zu nennen: Weg von tierischen Lebensmitteln, hin zu pflanzlichen Alternativen. Eine unpopuläre, aber ehrliche Forderung, deren Durchsetzung mit mutiger Politik machbar ist.

Der weltweite Fleischkonsum ist von 1961 bis heute von 71 Millionen auf 284 Millionen Tonnen gestiegen. Bis 2050 soll sich der weltweite Fleischverbrauch nochmals verdoppeln. Auch die Nachfrage nach Milchprodukten ist ungebremst. Bis zum fertigen „Produkt“ werden unverhältnismäßig viele Ressourcen wie Getreide, Wasser und Land verbraucht.

All die Tiere, die in der Agrarindustrie gehalten werden, müssen fressen und trinken, um wachsen und ihren Stoffwechsel aufrecht erhalten zu können. Daher bedeutet die Herstellung von tierischen Produkten einen besonders ineffektiven Einsatz der vorhandenen Ressourcen gegenüber einer direkten Nutzung zum Anbau von Menschennahrung statt Futtergetreide. Der Umweg über das Tier verschwendet Lebensmittel in gigantischem Ausmaß.

Je mehr Fleisch erzeugt wird, desto mehr steigt der Bedarf an Soja und Futtergetreide wie Mais, Gerste, Hafer und Futterweizen. Die hohe Nachfrage der Tierindustrie nach Futter treibt die Preise für diese Grundnahrungsmittel weltweit in die Höhe und verdrängt auch andere Anbauarten wie Reis beim Konkurrenzkampf um Anbauflächen. 

Damit steigen durch den Fleischkonsum nicht nur die Getreidepreise, sondern auch die Preise für andere Grundnahrungsmittel wie Reis. Auch die notwendige Erhöhung des Ernährungsstandards in den armen Ländern durch Obst und Gemüse zu einer gesunden und vitaminreichen Kost konkurriert mit Tierfutter um Ressourcen wie Land und Wasser.

Der Konsum von Fleisch und anderen tierischen Nahrungsmitteln hat noch weiterreichende Folgen: 30 Prozent der eisfreien Flächen der Erde werden dafür in Anspruch genommen. Die Fleisch - und Milchproduktion ist für 18% der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein Jojo-Effekt, der Dürrekatastrophen und damit eine weitere Verschärfung der Lebensmittelknappheit zur Folge hat. 

Darüber hinaus werden für die Produktion von nur einem Kilo Fleisch tausende Liter Wasser benötigt. Gleichzeitig sind mehr als zwei Milliarden Menschen nach Angaben der UNESCO mit Engpässen in der Wasserversorgung konfrontiert. Die Wissenschaftler der jährlich stattfindenden ‚World Water Week’ in Stockholm bezeichnen die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten daher als „nicht nachhaltig“ und empfehlen eine Änderung der Ernährungsstrategie.

Der internationale Getreiderat warnt bereits seit Jahren, dass durch den Anstieg des Fleischkonsums die Kapazitäten an Getreideerzeugnissen den Bedarf nicht decken können. Der Verbrauch an Getreide ist so dramatisch angestiegen, dass die weltweiten Vorräte den tiefsten Stand seit 1982 erreicht haben. Rufe nach höherer Produktivität und mehr Anbauflächen werden laut. 

Diese kurzsichtige Forderung bedeutet weitere Rodung der Regenwälder für neue Abbauflächen und die damit verbundene Klimaschädigung, den intensiven Einsatz von Gentechnik, und wirkt vor dem Hintergrund der Verschwendung des Getreides durch die Umwandlung in tierische Lebensmittel geradezu grotesk.

Fleisch ist kein lebensnotwendiges Nahrungsmittel. Die wichtigen Aminosäuren stecken auch in pflanzlicher Kost. Soll dem Konsumenten nun vorgeschrieben werden, was gut für ihn ist? Soll man den Fleischkonsum verbieten oder staatlich regulieren?
 
Der Konsum tierischer Nahrungsmittel hat nichts mit Wohlstand oder Lebensqualität zu tun. Es ist vielmehr eine erlernte Angewohnheit, mit der zu brechen vielen Menschen nicht notwendig erscheint, weil die Politik die Produktion von tierischen Lebensmitteln auf unterschiedlichstem Wege bewirbt und subventioniert.

Ob als direkte Finanzhilfe, Exportsubvention oder schlicht als staatliche Propaganda. Das Landwirtschaftsministerium propagierte „Marktöffnung für deutsches Geflügel- und Rindfleisch“, setzte sich für „deutsches Grillsteak und Bratwürste aus deutschem Schweinefleisch“ für die Fußball-WM in Südafrika ein und initiierte in Nordrhein-Westfalen das 'Modellvorhaben Schulmilch', „um den Absatz von Milch zu erhöhen“, wie es einst wörtlich aus dem Ministerium hieß.

Sinnvolle Förderungen müssen, weg vom Fleisch, auf eine pflanzliche Kost zielen. Ohne diese grundsätzliche Änderung unserer Ernährungsstrategie sind alle Bemühungen, dem Welthunger zu begegnen, Augenwischerei. Harvard-Ernährungswissenschaftler Jean Mayer schätzt, dass durch eine Reduktion der Fleischproduktion um 10% soviel Getreide eingespart werden könnte, wie zur Versorgung von 60 Millionen Menschen notwendig ist. Wie naheliegend doch manche Lösung ist.

Voraussetzung zur Bekämpfung des Hungers wäre allerdings die Bereitschaft, die vorhandenen und dadurch freiwerdenden Nahrungsmittelressourcen auch den Hungerleidenden zukommen zu lassen, statt damit Auto zu fahren und nicht mit steigenden Lebensmittelpreisen an Börsen zu spekulieren.

Quelle: TSV "Die Tierfreunde e.V."

Samstag, 18. Juli 2015

Ungewöhnlicher Besuch in einem Schlachthof (Teil 1)

Bericht von zwei engagierten Tierschützern, den ich hier allerdings nicht wortwörtlich, sondern gekürzt und nacherzählt wiedergebe. Den Originalbericht findest Du auf der Webseite des Tierschutzvereins "Tierfreunde e.V."

Eine kranke Kuh, ein Schweinemäster und zwei Tierfreunde in einem Schlachthof :

Ein Tag im September: Es ist Mittag und zwei Tierfreunde entdecken auf einer matschigen, schlammigen Weide abgesondert von den anderen Kühen eine kranke, schwer atmende, speichelnde, apathisch und kraftlos daliegende Kuh. Der Besitzer der Kühe ist beiden Tierfreunden kein Unbekannter und sie wissen, dass ein freundschaftliches Gespräch mit ihm nichts bewirken würde und beschließen daher, diese Sache ans Veterinäramt weiterzugeben.

Auch wissen sie, dass der Besitzer der kranken Kuh nicht nur Kühe, sondern auch noch Schweine besitzt. Weil sie nun schon mal hier sind, entschließen sich die beiden Tierfreunde, auch noch einen Blick in die Schweinemastanlage des Rinderhalters zu riskieren.  Auf dem Gelände der Mastanlage sehen sie einen Anhänger herumstehen und entdecken unter dessen Plane lebende Schweine. Vorfahrend mit einem Benz, taucht schliesslich auch der Schweinemäster auf und die Tierfreunde beobachten, wie er mit seiner schweinebeladenen Kutsche das Gelände sogleich auch wieder verlässt.

Neugierig geworden, was mit den Schweinen passiert, folgen sie mit ihrem PKW dem davongefahrenen Schweinemäster und erst auf der Autobahn setzen sie sich ein Limit, denn ihnen ist klar, dass sie diese Verfolgung nicht unendlich fortführen können. Die Verfolgung wird immer schwieriger, denn für´s Wasserlassen trotz drückender Blase ist keine Zeit und der Tank des Autos ist auch bald leer.

Nur ungern sind sie bereit, die Verfolgung abzubrechen und setzen den Blinker. Doch welch ein Glück: auch der Schweinemäster blinkt und verlässt plötzlich die Autobahn. Nach abermals aufgenommener Verfolgung endet diese schliesslich in einem Schlachthof bei Montabaur, der Kreisstadt des Westerwaldkreises in Rheinland-Pfalz.

Hier angekommen, hören die beiden Tierfreunde das Schreien der Schweine, die Schreie und Flüche der Schlächter, den Lärm von Sägen, lautes Kettengerassel der Fließbänder. Versteckt und mit laufender Kamera versuchen sie das Treiben der Schlächter einzufangen, von denen einige fröhlich vor sich hin pfeifend ihre Arbeit verrichten, während sie den zappelnden, sich windenden  und kopfüber an einem Bein aufgehängten Tieren die Kehle durchschneiden.

Minuten später entdeckt sie ein Tiertransporteur, der sie als "Eindringlinge" umgehend den Chef des Schlachthofes meldet. Dieser reagiert überraschend freundlich und genehmigt ihnen, da es für ihn und seine Mitarbeiter nichts zu verbergen gäbe, freien Zutritt sowie auch das Filmen der Schlachtungen. Von einer mit Blut beschmierten und ebenso freundlichen Mitarbeiterin werden sie zuvor noch dazu aufgefordert, sich einen Overall sowie auch Gummistiefel anzuziehen und beide Tierfreunde finden sich alsbald mit gemischten Gefühlen inmitten des Schlachthofes wieder, stehend im noch warmem Blut zwischen den hängenden und halbierten Leichen der Schweine, die vor ein paar Minuten noch lebend am anderen Ende des Schlachthofes gestanden hatten.

Abstand haltend von Messern, Kettensägen und größeren Blutlachen versuchen sie mit ihrer Kamera festzuhalten, was sie inmitten dieses Horror-Szenarios erschüttert und kaum zu ertragen vermögen, was ihnen Tränen in die Augen treibt und auch Brechreiz in ihnen verursacht. Gut gelaunt und gesprächig erklärt ihnen der Oberschlächter:  "Wissen Sie, eigentlich kann ich ja überhaupt kein Blut sehen, wenn sich z.Bsp. jemand in den Finger schneidet oder so, das ist einfach furchtbar".

Vieles, was beide Tierfreunde inmitten des Schlachthofes miterleben, zerreißt ihnen fast das Herz und nicht weniger erschüttert sie auch der Anblick der noch lebenden Schweine, die - den eigenen Tod vor Augen - mit ansehen müssen, wie ihre Artgenossen im Akkord betäubt werden und - da dieses Betäuben nicht immer funktioniert - manche ihrer Artgenossen noch zappelnd und schmerzerfüllt schreiend abgestochen und zerlegt werden.

Betreffs der Betäubung erklärt ihnen der Oberschlachter:  "Gas lehnen wir ab, das verknüpft man ja auch immer mit Unangenehmem, Sie wissen schon ..... Nein, wir betäuben lieber mit Strom, da kann man doch mal eingreifen, wenn es mal nicht auf Anhieb klappt, wohingegen bei Gas, das sind schlimme Minuten."

Fortsetzung im nächsten Blog-Beitrag ......

Mittwoch, 8. Juli 2015

Schlachthöfe und Metzgereien? Nein, Danke!

Mißstände im Umgang mit unseren sogenannten "Nutztieren" und auch anderen leidenden und gequälten Tieren aufzudecken, die Bevölkerung zu informieren, die Zusammenhänge zwischen achtlosem Konsum und Tierleid aufzuzeigen - darin besteht im Wesentlichen meine Aufgabe hinsichtlich dieses und auch meines anderen Tierschutzblogs. Denn all das viele und enorme Tierleid in unserer heutigen Zeit entsteht nicht allein durch die Gewissenlosigkeit skrupelloser Tierquäler, sondern auch durch das Wegschauen und Ignorieren von sehr vielen Menschen.

Das Anliegen meiner beiden Tierschutzblogs ist unter anderen auch jenes, die Menschen über die schier unglaubliche Anzahl von Tieren, welche Tag für Tag für unsere Ernährungssünden sterben, zum Nachdenken zu bewegen. Nicht weniger schlimm als bei uns in Deutschland werden z.Bsp. auch in Österreich jedes Jahr mehr als 5,5 Millionen Schweine in Schlachthöfen getötet, dazu rund 610.000 Rinder, mehr als 80.000 Kälber und die unvorstellbare Menge von fast 70 Millionen Hühnern, Enten und Gänsen! 

Anders gesagt: In Österreichs Schlachthöfen sterben pro Minute ca 1,3 Rinder und Kälber, 10 Schweine und weit mehr als 100 Hühner - Minute für Minute, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr... und weltweit müssen jedes Jahr rund 45 Milliarden Tiere für die menschliche Ernährung ihr Leben lassen!!!

Um die menschliche und unersättliche Gier nach Tierfleisch zu befriedigen, werden weltweit rund 1 Milliarde Schweine, 1,3 Milliarden Rinder, 1,8 Milliarden Ziegen und Schafe und mehr als 15 Milliarden Hühner in abscheuliche Konzentrationslager gesperrt, in Käfige gezwängt, in Ketten gezwungen und letztendlich auf oft furchtbarste Art und Weise in riesige Transportwägen geprügelt und in die Schlachthäuser gezerrt.

Schlachthöfe assoziiere ich mit Gestank, mit Schreien, mit Todesängsten, mit Elektrozange, Kehlschnitt und literweise Blut. „Cést la vie - das Leben ist ein Fest", heisst es auf einem Schild im Zufahrtsbereich eines österreichischen Schlachthofes. Welch eine Verhöhnung der Opfer! 

In jedem grösseren Schlachthof kommen täglich unzählige Tiertransporte an und Schlachtungen sind Accordarbeit. Wie viele Tiere nach der grausamen Betäubung wieder aufwachen und bewusst miterleben, wie das Blut aus ihrer Kehle rinnt, wird wohl kaum jemals Gegenstand amtlicher Untersuchungen werden.

„Cést la vie - das Leben ist ein Fest!" 
Aber unser Leben ist erst dann ein Fest, wenn sich Schlachthöfe in Kulturzentren verwandeln und Tiere keine Ware mehr sind. Unser Leben wird nur dann zu einem Fest, wenn  menschliche Vernunft über menschliche Ignoranz und Profitgier einen dauerhaften Sieg erringt. Und eines sollten wir uns alle mit unauslöschbarer Tinte in unser Herz schreiben, in unser Denken und Handeln, nämlich : „Tiere sind keine Waren",  „Dont´kill" und "Für das Leben, die Freiheit und die Unversehrtheit aller fühlenden Mitlebewesen!"

Worte eines Aktivisten von "RespekTiere e.V." über einen Rinderschlachthof bei Salzburg:
(gekürzt und teilweise redigiert)

Waren Sie jemals an einem Ort, von welchem wirklich Böses ausgeht? Ein Ort, wo man sich unweigerlich ständig umdreht, weil man das Gefühl nicht los wird, irgend etwas verfolgt einen, wo man überall Schatten sieht und nirgends Licht, egal wie hell dann die Sonne auch immer strahlen möge? Ein Ort, wo man ständig in den Hosentaschen gräbt, weil man immerzu vom Gefühl befallen ist, irgend etwas verloren zu haben? Wo das Atmen schwerfällt, weil etwas bedrückend Enges, eine gewaltige Trostlosigkeit in der Luft liegt? 

Wo selbst der Wind weint und gemeinsam mit verlorenen Seelen immer wieder ein furchtbares Klagelied anstimmt? Wo der Regen wie Tränen eines zornigen Gottes zu Boden fällt und sich dort mit dem Blut hunderttausender Ermordeter zu einem zähen Brei mischt, welcher, kommt man mit dieser Masse erst in Berührung, sich nie mehr wieder abspülen lässt, sich mit eisernen Fingern festkrallt - jedoch nicht am Gewebe, an der Fläche, er gräbt sich viel, viel tiefer - er benetzt Herz und Geist, überzieht sie mit einem hauchdünnen Film, der sich nie mehr lösen wird.

Der Schlachthof in Bergheim bei Salzburg ist so ein Ort; und dort ist tatsächlich etwas verloren gegangen, etwas ganz epochales: unsere Menschlichkeit! Verkommen zu einer sinn-entleerten Worthülse, befleckt von einem Meer aus Blut, tagtäglich ertrinkend in den Eingeweiden Unschuldiger! Dieses Töten muß ein Ende finden! Wir müssen uns mehr und mehr formieren und nie mehr stumm zusehen wie unsere Mitlebewesen ein Dasein in Angst und Schrecken führen müssen, nur um als lebende Nahrungsvorräte zu dienen! Wir wollen sie nicht mehr länger dieser Hölle der Schlachthöfe ausgesetzt sehen! Denken sie nach über das viele und schreckliche Tierleid, ziehen Sie die unvermeidliche Konsequenz : Essen Sie vegetarisch und retten Sie Leben - so oft es für Sie geht, am allerbesten aber jeden Tag!!!!!!!!!

Erschütternder Videofilm :

Beim Anschauen vieler erschütternder Video-Dokumentationen blutet mir oftmals nicht nur mein Herz und meine Seele, sondern auch Hass und abgrundtiefe Verachtung auf all jene menschlichen Monster und Bestien steigt in mir hoch, die zu derartigen Tierquälereien überhaupt fähig sind. Sind Menschen, die Tieren  immer wieder schreckliche Dinge antun, letztlich überhaupt noch Menschen oder der allerletzte Abschaum, den es gibt? 

Unmenschlicher, barbarischer Umgang mit Tieren ereignet sich seit Menschengedenken rund auf unserem Globus, ungerührt und skrupellos. Sind wir nicht sonderliche bestialische Wesen? Was wir den Tieren an Qualen und Schmerzen zumuten - empfinden wir das nicht als äußerst unzumutbar und höchst beklagenswert, sobald es uns selbst betrifft? 

Bei dem kleinsten Wehwehchen begeben wir Menschen uns in ärztliche Behandlung und Fürsorge. Wahrhaftig, wie sehr doch der Mensch immerzu und unentwegt auf sein eigenes Wohlergehen bedacht ist. Nur ein kleiner Schmerz - und schont stürzt für uns der Himmel ein. Und gläubige Menschen suchen angesichts ihrer Sorgen, ihrer Schmerzen und Schicksale  oft jammernd, jaulend und betend den Beistand eines imaginären Gottes, der ihnen die Schmerzen nehmen und ihre Tränen trocknen soll. Doch das Leid der Tiere scheint die allerwenigsten auch nur annähernd zu berühren und zu erschüttern.

Video:


Freitag, 3. Juli 2015

Die drei N's der Rechtfertigung (Teil 2)

Fortsetzung des gestrigen Beitrags :

Und auch in anderen Hinsichten kämen wir nicht auf die Idee, auf die Natürlichkeit der Dinge zu pochen: Frauen rasieren sich ihre natürliche Bein- und Achselbehaarung, wir verwandeln Feld und Wald in Flughäfen und Autobahnen, damit wir nicht auf unsere natürlichen Fortbewegungsapparate (nämlich unsere Beine) angewiesen sind, und auch mit Verhütungsmitteln schlagen wir der Natur ein Schnippchen.

Was lernen wir daraus? Wir suchen uns sehr wählerisch und willkürlich aus, was wir für natürlich und deshalb vertretbar halten, und was nicht. Warum das so ist? Karnismus hat die Tücke, sich zu „naturalisieren“, sprich: Das karnistische Denksystem hat die Fähigkeit, uns ein Gefühl falscher Natürlichkeit zu vermitteln.

Karnismus kurz erklärt:
Karnismus ist ein unsichtbares System aus Überzeugungen oder Ideologien, das die Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen. Karnismus ist das genaue Gegenteil von einer vegetarischen oder veganen Lebenseinstellung; „Karn“ bedeutet „Fleisch“ oder „aus Fleisch“ und „-ismus“ bezeichnet ein  Überzeugungssystem.


Fleisch & tierische Produkte essen – ist das wirklich notwendig?
Der Glaube daran, dass es „notwendig“ ist, Fleisch zu essen, ist eng verbunden mit dem Glauben, es sei „natürlich“, Fleisch zu essen. Denn wenn es biologisch notwendig ist, Tiere zu essen, bedingt der Fleischkonsum das Weiterbestehen der menschlichen Spezies.

Und obwohl uns eigentlich klar ist, dass es sehr wohl problemlos möglich ist, ohne Fleisch ein gesundes und langes Leben zu führen, berufen wir uns trotzdem immer wieder auf den Mythos, der Konsum von tierischen Produkten sei notwendig. Und dabei ist genau das Gegenteil der Fall! Der Konsum von tierischen Produkten steht eng im Zusammenhang mit Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Herz- und Kreislauferkrankungen und Krebs.

Und was ist mit den Arbeitsplätzen? Die Tierindustrie ist doch wirtschaftlich gesehen eine Notwendigkeit, stimmt’s? Falsch! Zum einen hören die Menschen nicht auf zu essen oder zu konsumieren, bloß weil sie keine Tiere mehr essen. Ihr Konsum verändert sich und die Wirtschaft bräuchte nicht lange, um sich darauf einzustellen. Aber grundsätzlich darf eine Gesellschaft, die an sich selbst den Anspruch auf ein ethisches Bewusstsein erhebt, eine solche Argumentation gar nicht erlauben.

Hätte die Sklaverei in den Vereinigten Staaten nicht abgeschafft werden sollen, weil das einen Zusammenbruch der bis dahin gekannten Wirtschaftsordnung bedeuten würde? Sollten Kriege geführt werden, weil die Waffenindustrie ein florierendes Geschäft ist, für unzählige Menschen Arbeitsplätze bereithält und dem Bruttosozialprodukt ein dickes Plus beschert?

Es ist an der Zeit in Frage zu stellen, was in der Gesellschaft als normal, natürlich und notwendig gilt.

Und übrigens: Je mehr Opfer, desto weniger Wirkung.
Je größer die Anzahl der Opfer, desto mehr verdrängen und entpersonalisieren Menschen diese Opfer – ganz gleich, ob es sich dabei um Mitmenschen oder Tiere handelt. Die emotionale Reaktion nimmt proportional zur steigenden Opferzahl ab. Es wurde mittlerweile in psychologischen Studien nachgewiesen, dass dieses „Verdrängen“ bereits ab 2 Opfern beginnt. Einzelne Opfer (zum Beispiel ein ertrunkenes Hundebaby im Kanal) erregen viel mehr unser Mitgefühl, als eine große Zahl an Opfern (zum Beispiel 100 Erdbebenopfer). 

Wenn man sich also vorstellt, dass in Deutschland jährlich mehrere hundert Millionen Tiere geschlachtet und getötet werden, dann kann man sich das eigentlich nicht vorstellen – diese Zahl ist zu hoch, zu abstrakt, zu unwirklich. Wir können mit ihr nicht viel anfangen und sie macht uns deshalb auch nicht so betroffen, wie wenn uns etwa die Nachricht erreicht, dass jemand einen Hund von einer Brücke geworfen hat.

Quelle: Mario Pfeifer (PETA)

Donnerstag, 2. Juli 2015

Die drei N's der Rechtfertigung (Teil 1)

Kennst Du die drei N's der Rechtfertigung von Fleischessern: 
Normal, Natürlich & Notwendig?

Diese drei N's wurden in der Geschichte der Menschheit schon immer dazu benutzt, um ausbeuterische Herrschaftsverhältnisse zu rechtfertigen; vom Sklavenhandel in Afrika über die Unterdrückung der Frau, bis hin zum Nazi-Holocaust. 

Sobald eine Ideologie erst einmal ihren Höhepunkt erreicht hat, werden diese Mythen nur von einer Minderheit in Frage gestellt. Erst wenn das System kollabiert, schüttelt man rückblickend den Kopf und kann nicht glauben, wozu Menschen fähig sind.

Die drei N's sind so stark in unserem sozialen Bewusstsein verankert, dass sie unser Handeln lenken, ohne dass wir über sie nachdenken. SIE DENKEN FÜR UNS! Wir leben, als ob sie universelle Wahrheiten wären, dabei sind sie nichts anderes als Meinungen.

Diese drei N's sind also mächtige Instrumente, die es ermöglichen, unser Handeln zu beeinflussen. Aber sie machen noch mehr: Sie lindern unser moralisches Unbehagen. Wenn sich in uns der Gedanke regt, dass man eigentlich nicht einverstanden ist mit der Art, wie wir mit Tieren umgehen, kommen die drei N’s auf den Plan und sagen: „Es ist normal! Es ist natürlich! Es ist notwendig!“ Und die meisten Menschen sind erleichtert, dankbar für eine gute Entschuldigung und denken, sie müssten ihr Verhalten nicht ändern.

Die drei N's wirken also wie geistige und emotionale Scheuklappen und verdecken die Widersprüche zwischen unserem Empfinden gegenüber Tieren und der Art und Weise, wie wir sie tatsächlich behandeln.

Fleisch & tierische Produkte essen – ist das wirklich normal?
Vegetarier und Veganer hören das wieder und wieder: Menschen haben schon immer Fleisch gegessen. Jeder isst Fleisch. Fleisch essen ist normal. Aber was bedeutet das eigentlich? Sind unsere sozialen Normen objektive Tatsachen? Sind sie angeboren oder von Gott gegeben? Ganz und gar nicht. Sie wurden von Menschenhand gemacht und sie können von Menschenhand auch wieder abgeschafft werden.

Fleisch & tierische Produkte essen – ist das wirklich natürlich?
Es gibt immer noch zu viele Menschen, die meinen, Fleisch essen sei natürlich, da die Menschheit schon seit Jahrtausenden Tiere gejagt und gegessen hat – und leiten deshalb ab, es sei gerechtfertigt, Tiere zu essen. Aber reicht dieses Argument aus? Sind Dinge vertretbar, nur weil wir sie schon immer getan haben? Wenn wir an Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung oder Diebstahl denken, wird schnell klar: Auch das hat es schon immer gegeben, aber deshalb ist es noch lange nicht richtig. 

Kein Mörder käme mit der Rechtfertigung „Mord und Totschlag hat eine lange und feste Tradition in der Menschheitsgeschichte!“ vor Gericht davon – zu Recht! Denn worauf es ankommt, ist nicht die Natürlichkeit einer Handlung, sondern ihre Vertretbarkeit.

Fortsetzung im morgigen Beitrag ......

Mittwoch, 1. Juli 2015

Philip Wollen über die Notwendigkeit, auf Fleisch zu verzichten (Teil 2)

Fortsetzung des gestrigen Beitrags :

Wasser ist, wie sie wissen, das neue Öl. Nationen werden bald Kriege deswegen führen. Unterirdische Wasserspeicher, die sich über Millionen von Jahren hinweg aufgefüllt haben, neigen sich dem Ende zu und trocknen aus. Man braucht bis zu 50.000 Liter kostbares Trinkwasser für die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch. 

Heutzutage leiden eine Milliarde Menschen an Hunger, 20 Millionen Menschen werden an Unterernährung sterben. Wenn der Fleischverbrauch nur um 10% verringert würde, könnten 100 Millionen Menschen mehr ernährt werden. Fleisch von der Speisekarte zu streichen, würde den Hungertod für immer Vergangenheit sein lassen.

Wenn jeder Mensch sich wie die Menschen in den westlichen Industrieländern ernähren würde, bräuchten wir zwei Planeten, um uns zu ernähren. Aber wir haben nur einen, und der geht gerade zugrunde. Die Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung sind um 50% höher als die der gesamten Transportbranche, inklusive aller Autos, Züge, Busse, Schiffe, Lkw´s , Anhänger.... alles.

Wenn ich um die Welt reise, sehe ich, wie arme Länder ihr Getreide an den Westen verkaufen, während ihre eigenen Kinder in ihren Armen verhungern. Und der Westen verfüttert es an "Nutztiere", nur damit wir ein Steak essen können? Bin ich der Einzige der sieht, dass das ein Verbrechen ist? Glauben Sie mir, jedes Stück Fleisch, das wir essen, ist ein Schlag in das verweinte Gesicht eines hungrigen Kindes. Wenn ich ihm in die Augen sehe, schweige ich dann etwa?

Die Erde kann genug Nahrung produzieren um die Bedürfnisse aller Menschen, nicht jedoch die Gier aller Menschen zu befriedigen. Wir stehen vor dem perfekten Sturm.

Wenn irgendeine Nation Waffen entwickeln würde, die eine solche Verwüstung auf dem Planeten anrichten könnten, würden wir sie mit einem präventiven Militärschlag zurück in die Bronzezeit bombardieren. Doch es handelt sich hier nicht um einen Schurkenstaat, sondern um eine Industrie. Die gute Nachricht ist: Wir müssen sie nicht bombardieren. Wir können einfach aufhören, sie zu kaufen.

George Bush lag also falsch. Die Achse des Bösen verläuft nicht durch den Irak, den Iran und Nordkorea.... sondern sie zieht sich durch unsere Esstische. Die Massenvernichtsungswaffen sind unsere Messer und unsere Gabeln.

Unser Vorschlag ist das Schweizer Taschenmesser der Zukunft. Es löst unsere Umwelt - Wasser und Gesundheitsprobleme und beendet Grausamkeit für immer. Die Steinzeit endete nicht, weil uns Menschen die Steine ausgingen. Und diese grausame, widerliche Industrie wird enden, wenn uns keine Ausreden mehr einfallen.

Fleisch ist wie die 1 oder 2 Cent Münzen. Es kostet mehr sie herzustellen, als sie wert sind. Und ich komme vom Land. Landwirte sind diejenigen, die am meisten zu gewinnen haben. Die Landwirtschaft wird nicht aufhören zu existieren, sie wird boomen. Nur die Produktlinie wird sich ändern. Die Landwirte werden so viel Geld verdienen, sie werden sich nichtmal mehr die Mühe machen, es zu zählen. 

Und ich werde der Erste sein, der ihnen applaudieren wird. Regierungen werden uns lieben, neue Industrien werden entstehen und gedeihen. Krankenkassenbeiträge sinken, Wartelisten für Behandlungen in Krankenhäusern werden verschwinden. Verdammt, wir wären so gesund, wir müssten jemanden erschiessen, damit überhaupt ein neuer Friedhof angelegt werden müsste.

Heute Abend habe ich zwei Herausforderungen für die Oppostion: Fleisch verursacht eine Vielzahl von Krebsarten und Herzkrankheiten. Nennen sie mir eine Krankheit, die durch vegetarische Ernährung verursacht wird.

Und zweitens: Ich finanziere die Earthlings-Trilogie. Wenn die Opposition sich ihrer Sache so sicher ist, fordere ich sie auf, eine Kopie der DVD "Earthlings" an alle ihre Kollegen und Kunden zu senden. Na los, trauen sie sich.

Tiere sind nicht nur eine andere Spezies, sie sind andere Nationen und wir töten sie auf unsere eigene Gefahr hin. Die Karte des Friedens wird auf der Speisekarte gezeichnet. Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern die Anwesenheit von Gerechtigkeit. Gerechtigkeit aber muss Rasse, Hautfarbe, Religion oder Spezies gegenüber blind sein. 

Wenn sie nicht blind ist, wird sie zu einer Waffe des Terrors. Und heute Abend gibt es unvorstellbaren Terror in diesen entsetzlichen Guantanamos, die wir Tierfabriken und Schlachthöfe nennen. Glauben sie mir, wenn die Mauern der Schlachthöfe aus Glas wären, würden wir diese Debatte heute abend nicht führen.

Sehen Sie, ich glaube, eine andere Welt ist möglich. Und in einer ruhigen Nacht kann ich sie atmen hören. Lasst uns Tiere von der Speisekarte streichen und aus diesen Folterkammern holen.

Dienstag, 30. Juni 2015

Philip Wollen über die Notwendigkeit, auf Fleisch zu verzichten (Teil 1)

Sehr gute und eindrückliche Rede eines Menschen mit Herz und Verstand:
 
Der mehrfach preisgekrönte und ehemalige Vizepräsident der Citibank, Philip Wollen, hält ein eindrückliches Plädoyer dafür, warum es mit unserem Gewissen nicht vereinbar ist, tierische Lebensmittel zu essen:

König Lear fragt spät in der nacht an den Klippen den blinden Earl von Gloucester: "Wie siehst du die Welt?" und der blinde Earl von Gloucester antwortet: "Ich sehe sie fühlend".
Und ... sollten wir das nicht alle?

Tiere müssen von der Speisekarte genommen werden, denn heute nacht schreien sie vor Todesangst in den Schlachthöfen, in Ställen und in Käfigen - diesen grausamen, schändlichen Gulags der Verzweiflung.

Wissen sie, ich habe die Schreie meines sterbenden Vaters gehört, während der Krebs seinen Körper zerfrass, und mir wurde bewusst, dass ich diese Schreie schon einmal gehört hatte: im Schlachthaus. Mit ausgestochenen Augen und zerrissenen Sehnen, auf den Viehtransporten in den nahen Osten und von einer sterbenden Walmutter, in deren Gehirn eineHarpune explodiert, während sie nach ihrem Kind ruft. Ihre Schreie waren die meines Vaters. Und ich entdeckte, dass wir auf die gleiche Art und Weise leiden. denn wenn es um die Fähigkeit zu leiden geht .... ist ein Hund genau wie ein Schwein, ein Bär, oder ein Junge.

Fleisch ist das Asbest von Heute. Es ist mörderischer als Tabak. Co2, Methan und Stickstoffmonoxid aus der Tierhaltungsindustrie zerstören unsere Ozeane mit sauren, sauerstoffarmen Todeszonen. 90% der kleinen Fische werden zu Pellets zermahlen, um sie an sogenannte "Nutztiere" zu verfüttern. Kühe, die sich eigentlich vegetarisch ernähren, sind heute die weltweit grössten Raubtiere der Ozeane. Die Ozeane sterben in diesem Moment. Im Jahr 2048 wird der Lebensraum aller Fische vernichtet sein, die Lungen und Arterien unserer Erde.

Milliarden von lebensfrohen Küken werden bei lebendigem Leibe zerhackt, und das nur, weil sie männlich sind. Bis heute haben nur etwa 100 Milliarden Menschen gelebt. 7 Milliarden leben heute. Und dennoch foltern und töten wir jede einzelne Woche 2 Milliarden fühlende Lebewesen. 10.000 Spezies werden jedes Jahr unwiderruflich ausgelöscht ... und das durch eine einzelne Spezies. 
 
Wir stehen nun vor der sechsten Massenausrottung der kosmologischen Geschichte. Wenn irgendein anderer Organismus das täte, würden ein Biologe ihn als Virus bezeichnen. Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit von unvorstellbaren Ausmaßen.

Aber zum Glück verändert sich die Welt. Vor 10 Jahren verstand man unter Twitter Vogelgezwitscher, www war eine hängengebliebene Tatstatur. Cloud war eine Wolke im Himmel, Google war das Rülpsen eines Kindes, Skype ein Tippfehler und Al Kaida war mein Klempner.

Victor Hugo sagte einmal: Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
Tierrechte sind heute die weltweit grösste soziale Ungerechtigkeit seit der Abschaffung der Sklaverei. Wussten Sie, dass es mehr als 600 Millionen Vegetarier auf dieser Welt gibt? Das ist mehr als die USA, England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Kanada, Australien und Neuseeland zusammen. 
 
Wenn wir eine Nation wären, hätten wir mehr Einwohner als die 27 Mitgliedsstaaten der Euopäischen Union. Können sie sich das vorstellen? Und trotz dieses demographischen Fussabdrucks kommen wir immer noch nicht gegen die lärmenden, jagenden, schiessenden, mordenden Kartelle an, die glauben, dass Gewalt die Antwort ist, obwohl sie nicht mal eine Frage sein dürfte.

Fleisch tötet Tiere, tötet uns und tötet unsere Wirtschaft.
Das staatliche Gesundheitssystem hat die USA in den Bankrott getrieben. Man müsste 8 Billionen Dollar investieren, allein um die Zinsen der Schulden daraus zu bezahlen, und sie haben genau Null. Sie könnten jede Schule, die Armee und die Marine, die Luftwaffe, den Verfassungsschutz, CIA und FBI auflösen ... und sie würden immer noch nicht genug Geld haben, um ihre Arztrechnungen zu bezahlen. Und Cornell und Harvard sagen, dass die optimale Menge an Fleisch in einer gesunden menschlichen Ernährung genau Null ist.

Fortsetzung im morgigen Beitrag .......

Sonntag, 21. Juni 2015

Ein krankes System: die industrielle Landwirtschaft

60 Milliarden Euro fließen jährlich von der EU in das System der industriellen Landwirtschaft, die offenbar von einer schlimmen "Krankheit" befallen ist. Ihre bisherigen Symptome waren, sind und bleiben widerlich: Pestizide und Hormone im Essen, Rinderwahnsinn, Gammelfleisch-Skandale, Schweinepest, Geflügelpest, Dioxin in Eiern und Fleisch - all das sind Zeichen dafür, dass sich diese "Erkrankung" der industriellen Landwirtschaft scheinbar fortsetzt und weiterhin ausbreitet. 

Bereits schon seit Jahren wütet sie schrecklich: viele der einst noch existierenden Bauernhöfe wurden während der vergangenen Jahre dahingerafft und in den Ruin getrieben, weil sie dem Druck nicht standhalten konnten, immer mehr Nahrungsmittel zu immer niedrigeren Preisen zu erzeugen. Und den verbliebenen Bauern bleibt oft nichts anderes übrig, als sich diesem Druck immer wieder neu zu beugen und sich auf eine intensivere und überwiegend am Ertrag orientierte Landwirtschaft einzulassen. 

Letztlich führt die Förderungspolitik der EU in eine Sackgasse, denn Höfe werden zu Agrarfabriken umgerüstet, Hochleistungskühe werden zu Hunderten in ihre Ställe gedrängt, Hähnchen wachsen unter  qualvollen Bedingungen binnen 31 Tagen zur Schlachtreife heran. In der industriellen Landwirtschaft gilt eben nur eines: Höchstleistungen zu erzielen, Gewinne abzusahnen und sämtliche Milchflüsse und Fleischströme vor dem Versiegen zu bewahren.

Aber damit noch lange nicht genug, denn die industrielle Landwirtschaft verursacht nicht nur skandalöse Bedingungen, unermessliches Leid und Elend für viele Tiere, sondern sie beeinträchtigt und verändert auch massiv unser Klima, beschleunigt das Artensterben, verseucht das Grundwasser mit Nitraten und zerstört fruchtbare Böden.
 
Homo sapiens quo vadis? Wird die "Krone der Schöpfung" die bereits schon vorhandenen und die kontinuierlich immer größer werdenden Umweltschäden eines Tages noch "reparieren" können? Mit Sicherheit ist es keine besonders gute, sondern wohl eher eine sehr unheilvolle Welt, die wir verantwortungslosen Erdlinge den künftigen Generationen hinterlassen.

Montag, 1. Juni 2015

Die schlimmste Bestie ist der Mensch



Das Weltgewissen


Es klagt das Weltgewissen die ganze Menschheit an:
was habt ihr mit den Tieren, was habt ihr mit dem Tier getan?
Das euch in Liebe nahte, das euch verbunden war,
und manches Opfer brachte, nicht achtend der Gefahr!

Nun sind sie ausgeliefert der größten Qual und Pein,
und sollten unsre Brüder doch in allen Nöten sein!
Ihr Menschen seid so herzlos, hört unser Klagen nicht,
und wenn ihr euch nicht ändert, dann wehe euch im Welt-Gericht!

Ihr seid schon jetzt gerichtet durch euer eignes Tun,
euch ewig anzuklagen, wird keins der Tiere ruhn.
Gar groß ist die Bedrängnis, unsagbar Leid und Schmerz,
bis ihr begreift und umkehrt! Gott gab auch euch ein Herz!

Dass es in Liebe schlage, für alles, was da lebt,
und ihr die volle Würde den Tieren wiedergebt!
Denn eure eigne "Würde", sie ist vor Gott nichts wert,
wenn ihr nicht in den Tieren den Schöpfer selber ehrt!

Sie leiden Hunger und auch Schmerzen.
Wie kann man nur so etwas tun?
Solange Menschen Tiere quälen,
darf kein Tierfreund jemals ruh´n!

Gebrochene Knochen und blutende Wunden,
die Körper kaputt, die Seelen zerschunden.
Gefangen in Kerkern, das Leben zerstört,
qualvolle Schreie, die kaum jemand hört!

Jede Bewegung nur Mühe und Leid,
verursacht durch schändliche Unmenschlichkeit.
Erhängt, verbrannt, erstickt und erschlagen,
in tiefen Gruben lebendig begraben.

Bedenke: nicht zum Sterben sind sie geboren.
Wer kämpft, kann verlieren,
doch wer nicht kämpft, der hat schon verloren.

( Der Verfasser dieser Zeilen ist mir leider unbekannt!)

Song eines Freundes und Tierrechtlers namens Harry Harper: Die Bestie ist der Mensch

 

Montag, 25. Mai 2015

Metzger, Jäger & Co (Teil 3)

Fortsetzung und letzter Teil des Essays von Dr. Gunter Bleibohm :


Das Problem ist, dass die Menschheit die Tierwelt in all ihren Formen, in ihren Arten ausdrücklich erhalten will, um den Status des permanenten Vernichtungskrieges, eine Art Fließgleichgewicht des Schreckens, gegen sie aufrecht erhalten und weiter führen zu können. Dieses Wollen resultiert im Kern aber aus den rein ökonomischen Interessen der Touristik-, Waffen- und Tiervermarktungsindustrie mit der hintergründigen Absicht, dass nachkommende Generationen am kostenlosen Selbstbedienungsladen Natur dauerhaft weiter verdienen und sich delektieren können.

Im modernen Sprachgebrauch - als ethisches Postulat vorgeschoben - nennt man es Artenschutz, wobei  Artenschützer in der Regel Leute sind, man denke nur an Betreiber von Tierparks und Zoos, die der Ethik und dem Tierschutz meist gleichgültig gegenüber stehen; Nutztiere, deren Art nicht bedroht ist, sind ihnen normalerweise nicht erwähnenswert. Tiervernichtungskrieg als organisierte Unterhaltungs-Industrie der kanalisierten Menschenaggression, mit gemeinnützig staatlicher Förderung und gewollter Ablenkungswirkung für die Massen, rundet das Bild. Die Formen der Ausbeutung in diesem Sektor reichen vom Reitsport und Hundeschlittenrennen bis zu den Tötungssportarten des Angelsports, der Sportfischerei und des Stierkampf als kulturelles Erbe.

In der Massenmenschenwelt, in einer Welt der Menschenmassen mit ihren genormten Denkkategorien, werden freie Geister, denen diese Zusammenhänge, Abläufe und Konsequenzen bekannt und bewusst sind, bestenfalls ignoriert, zunehmend aber nicht mehr verstanden. Die gesellschaftlich akzeptierte Massenmeinung des Geistesproletariats ist die gültige, ist die herrschende, verbindliche Meinung. Denken und Handeln barbarisiert und nivelliert sich, proportional zum Anwachsen der Menschenmassen, auf einer Stufe niedrigsten Niveaus – des kleinsten gemeinsamen intellektuellen Nenners.

Die fehlende Sicht auf alle Lebensformen zeigt, dass eine Höherentwicklung im Denken und Erkennen nicht stattfindet, würde doch eine Höherentwicklung das Wollen bedeuten, das Leid aller Lebewesen zu mildern, nicht hingegen nur die Milderung des Leides beim Menschen, erkauft mit unsäglicher Verstärkung des Leides der übrigen Lebewesen. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Geisteshaltung und Grundhaltung wird zusätzlich durch eine Quelle gespeist, die Sigmund Freud in seiner Schrift vom „Unbehagen in der Kultur“ ausgeführt hat; R. Safranski hat nachstehende Kernpunkte subsumiert.

Der Mensch als Individuum unterliegt einer dreifachen Bedrohung, nämlich dem Verfall des eigenen Körpers, Angriffen der Außenwelt und Gefahren im weitesten Sinne aus der Beziehung zu anderen Menschen. Um sich gegen diese Gefahren zu wappnen, hat er im Laufe seiner Geschichte kulturelle Lebensweisen entwickelt, die ihm Schutz gewähren und Sicherheit verschaffen. 
Naturbeherrschung, Bekämpfung von Krankheiten, leben in sicherer Gemeinschaft, Bändigung von Kriegsgefahren sowie lebenserleichternde Annehmlichkeiten wie Heizung, Auto, Telefon etc., definieren die Eckpunkte des kulturellen Rahmens.

Freud stellt fest, dass diese Kultur wiederum selbst Quelle von Leid werden kann und kein dauerhaftes Glück mit sich bringt, welches nur im Inneren des Individuums gefunden werden kann. Das Innere des Menschen wird jedoch von einem permanenten Kampf zwischen Eros und Thanatos, zwischen Sexuallust und Destruktionstrieb, bewegt. 
In jeder fortgeschrittenen Kultur muss jedoch bei beiden Trieben auf eine hemmungslose, ungehinderte Triebbefriedigung verzichtet werden, d.h. sowohl der Sexualtrieb als auch Destruktionstrieb können nur partiell und zum geringen Teil ausgelebt werden. 

Da beide Triebe aber immanenter Bestandteil des Individuums sind, kann kein Trieb ausgeschaltet und zum Verschwinden gebracht werden, muss also, um ausgelebt werden zu können, sublimiert werden. Speziell beim Destruktionstrieb ist diese Umlenkung, dieses Verschieben in andere Befriedigungskanäle durch bestimmte Regularien gesellschaftsfähig geworden. Feindbilder, ethnische Minderheiten, Randgruppen und zunehmend auch dem herkömmlichen Weltbild widersprechende ethische Minderheiten dienen als Ventil, auf welche sich Hass und Ablehnung konzentrieren können, sollen, dürfen und müssen.

Die Aggressionsenergien des Destruktionstriebes liegen somit im ständigen Kampf mit dem Gewissen, das eine Verletzung gesellschaftlicher Normen aus Angst vor Ächtung in Schranken hält. Hieraus resultiert eine dauerhafte Selbstqual im Individuum, da die vom Gewissen behinderten Triebe, zumindest zeitweise, nach Entladung suchen. Gesucht ist somit das gesellschaftliche, vom Weltbild der herrschenden Kultur abgedeckte Feld, auf dem die Triebentladung stattfinden kann und darf, ist doch, wie Freud feststellt, "das Glücksgefühl bei Befriedigung einer wilden, vom Ich ungebändigten Triebregung unvergleichlich intensiver als das bei Sättigung eines gezähmten Triebes. 

Die Unwiderstehlichkeit perverser Impulse, vielleicht der Anreiz des verbotenen überhaupt, findet hier eine ökonomische Erklärung". Waren es in der Geschichte die regelmäßig stattfindende Kriege, die zur Abarbeitung des Destruktionstriebes dienten, sind es heute Autobahnrasereien, in seltenen Fällen Wirtshaushändel, in regelmäßigen Fällen aber Jagdgesellschaften.

Die Jagd ist das heutige Ersatzmittel kriegerischer Auseinandersetzungen, die geförderte, tolerierte und anerkannte Form der Triebentladung, die staatlich gewollte, kirchlich abgesegnete Kanalisierung des individuellen Destruktionstriebes. Die Jagd als Triebentladung, das Gefühl über ein anderes Wesen total verfügen zu können, das sadistische Auskosten der Ohnmacht der Opfer, ist in Friedenszeiten die letzte Möglichkeit, als Bürger ungestraft morden zu dürfen.

Dr. Gunter Bleibohm

Sonntag, 24. Mai 2015

Metzger, Jäger & Co (Teil 2)

Fortsetzung des gestrigen Beitrags

Von Dr. Gunter Bleibohm

Das geschilderte religiöse Fundament versuchen die Glaubenskonstrukteure zusätzlich mit der irrwitzigen Behauptung zu zementieren, der Mensch sei das letztendliche Ziel der Schöpfung, der Welt, der eine große Sinn des Universums. Diese hybride Vorstellung wurde von der Philosophie immer wieder ad absurdum geführt, ist sie doch als der eine große Unsinn im Universum entlarvt. Kant sah die Kernfragen der Metaphysik, nämlich die Frage nach dem Weltanfang, nach dem Sinn des Weltganzen und der Unsterblichkeit der Seele mit der Vernunft und Logik als unbeantwortbar, als nicht verifizierbar, an.

Der christlich geprägte metaphysische Rahmen, der das vollständig anthropozentrisch geprägte Weltverständnis nicht nur der westlichen Hemisphäre bildet, wird somit zusammenfassend von folgenden Säulen getragen:
  • Die Hierarchie aller Existenz beginnt mit Gott, besitzt als Mittelbau den Mensch und dieser ist wiederum dem Leben der gesamten Natur übergeordnet, das dem Menschen zu seinem Nutzen zur Verfügung gestellt wurde. Der angebliche Gottesbefehl hierzu lautet: 
  • "Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt die Erde. Furcht und Schrecken vor euch sei über alle Tiere auf Erden und über alle Vögel unter dem Himmel, über alles, was auf dem Erdboden kriecht, und über alle Fische im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich's euch alles gegeben." (Gen 9, 1-3)
  • Der Mensch ist das Ebenbild Gottes.
  • Nur der Mensch besitzt eine unsterbliche Seele und kann ewiges Leben erhoffen.
  • Nur dem Menschen ist tiefgreifende Begabung zur Vernunft gegeben.
  • Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, ihr letztendliches Ziel und ihm ist eine Würde immanent, die vorrangig vor jeder anderen Lebensform steht.
Vor dem Hintergrund dieser metaphysischen Grundaxiome ist das heutig gültige, profane, weltliche Denkmuster zu betrachten, welches als Transformator der metaphysischen Vorgaben auf das tägliche Leben wirkt. Sigmund Freud beschreibt das Gesagte in folgenden Zeilen: 
"Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, dass eine größere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glücksversicherung und Leidensschutz durch wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen. Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt".
Der Kapitalismus mit seinen exzessiven Auswirkungen wird getragen von einer rein wirtschaftlich orientierten Scheindemokratie – mit zunehmend deutlichen Tendenzen zur Oligarchie und Ochlokratie -, was als Konsequenz zu exorbitantem Tiermissbrauch, Tierausbeutung und Massenvernichtung allen nicht-menschlichen Lebens führt.

Ein weltweiter Speziesismus, ein Artenrassismus ohnegleichen, ein Vernichtungsfeldzug, der alles bisher Dagewesene an Verbrechen, Gemetzel und Ausbeutung der Tierwelt in der Geschichte um Größenordnungen hinter sich lässt, hat seine moralische Rechtfertigung durch archaische religiöse Vorstellungen erhalten. Das Gleichheitsprinzip und Selbstverwirklichungsrecht, für die menschliche Spezies durch Menschenrechte, Religionsfreiheit und humanistische Ideale repräsentiert, wird nicht-menschlichen Lebensformen strikt verweigert. 

"Seit Darwin sollten wir nämlich wissen, dass es biologisch und psychologisch zwischen Menschen und Tieren keinen prinzipiellen, sondern lediglich einen graduellen Unterschied gibt. Wenn wir auf dieser Grundlage das fundamentalste moralische Prinzip, das Gleichheitsprinzip, anwenden, ergibt sich der richtige Umgang mit Tieren fast automatisch: Wir schauen, welche Interessen Tiere haben und nehmen diese Interessen dann gleich ernst, wie wir vergleichbare menschliche Interessen ernst nehmen. Zweierlei wird augenblicklich klar: Wir treten das fundamentale moralische Gleichheitsprinzip mit Füßen. Und wir verüben unvorstellbare Verbrechen an Tieren" fasst Kaplan diesen Tatbestand zusammen.

Im Zusammenwirken zwischen Politik und christlicher Ideologie ist ein Weltbild entstanden, das zu einer Verwahrlosung des sittlich-moralischen Empfindens und insbesondere des Rechtsbewusstseins geführt hat; angesichts der maßlosen Verbrechen muss von einer totalitären Metaphysik gesprochen werden.

Es hat eine Vergesellschaftung des Grauens, des Unrechts stattgefunden, das zwischenzeitlich ohne weitere Hinterfragung als Recht und rechtens verinnerlicht wurde, da Staat und Kirche die klare Botschaft aussenden: "Tiere sind nicht wichtig, ihr könnt mit Tieren weiterhin so verfahren wie bisher" und Kaplan fährt fort: "Die Schuld der Kirchen am Elend der Tiere ist also eine zweifache: Weltanschaulich liefern sie die Grundlage für die Verbrechen an Tieren. Und politisch schweigen sie zu den Verbrechen an Tieren. Wer aber Verbrechen verschweigt, macht sich mitschuldig an diesen Verbrechen".

Die Mordmaschinerie, industriell perfektioniert, bürokratisch verwaltet, logistisch bis auf den letzten Bauernhof durchgeplant, gesetzlich geregelt, ja gesetzlich und kirchlich gewollt, ermöglicht es dem Normalbürger ein reines Gewissen zu behalten. Er sieht sich frei von Schuld, frei von Verantwortung, er kann nach außen wie nach innen, sich selbst gegenüber, widerspruchsfrei handeln. Die Glaubensbereitschaft an die gemeinsamen, deckungsgleichen Botschaften von Religion und Staat machen ihn zum Erfüllungsgehilfen eines entsetzlich blutigen, grausamen Weltbildes, liefern ihm die Rechtfertigung, die Moral und Ethik für eine Unkultur der Vernichtung.

Der Metzger, der Pelzhändler, der Jäger, jeder Tierausbeuter schlechthin, unterliegt somit keiner Ächtung, ist gesellschaftlich integriert, gilt als Normalbürger, ist angesehen, wird für notwendig und wichtig gehalten. Ausbeutung, Tiermord und Massenhinrichtungen von Tieren sind konform mit dem Wollen des Volkes, sind in seiner Mitte verankert, ein Umdenken scheint ausgeschlossen. Haben sich Tierausbeutung und Tiermord gar durch eine langjährige, oftmals Jahrhunderte alte Tradition verfestigt und sind in volkstümliche Veranstaltungen, genannt seien nur Stierkampf und Zirkus, oder - im schlimmsten Fall - in religiöse Feste und Bräuche  integriert, sind sie im Volksbewusstsein verfestigt und nahezu irreversibel zementiert.

"Die geringe Sittlichkeit der Staaten nach außen, die sich nach innen als Wächter der sittlichen Normen gebärden und die Brutalität im Benehmen der einzelnen, denen man als Teilnehmer der höchsten menschlichen Kultur ähnliches nicht zugetraut hat",  begründet die tiefgreifende Enttäuschung gegen Staat und Religion.

Diese Worte von Freud in einer Abhandlung über Krieg und Tod beschreiben treffsicher das Empfinden einer Minorität von Menschen gegenüber einer perfektionierten Vernichtungsmaschinerie für die Tierwelt. Die Mordmaschine arbeitet pausenlos gegen ihre frei lebenden, bestenfalls durch sogenannten Artenschutz gesicherten, wie auch zur Gefangenschaft gezwungenen und andauernd agrarindustriell reproduzierten Vertreter.

Fortsetzung und letzter Teil im morgigen Blog-Beitrag ......

Samstag, 23. Mai 2015

Metzger, Jäger & Co. (Teil 1)

Von Dr. Gunter Bleibohm

Die gefährlichsten Momente der Weltgeschichte waren stets die Zeitabschnitte, in denen es einer Einzelperson oder strukturierten Gruppierungen gelang, sowohl die Machthaber als auch die Schlüsselfiguren des Volkes hinter einem gemeinsamen Gedanken, einer Idee, einer Ideologie, hinter einem gemeinsamen Weltbild, zu vereinigen. Die Vereinigung konnte eine langsam wachsende sein oder, wie im Fall der Revolution, eine eruptive, eine plötzliche, eine Veränderung, das bisherige Gedankengut wegspülende Flut.
Waren die Hauptakteure des Staates auf das neue Denken eingeschworen und durch ökonomische Zuwendungen oder machtpolitische Vorteile fest für die Idee gewonnen, konnte die neue Sicht der Dinge der zumeist wirtschaftlich abhängigen Bevölkerung aufoktroyiert werden, gewaltsam oder schleichend.

Beide Varianten sind durch zahlreiche Vorgänge in den letzten Jahrhunderten mehrfach belegt. Die Französische Revolution als gewaltsamer Umsturz, das Christentum als schleichender Änderungsprozess mögen als Erinnerung genügen. Die schleichende Einführung neuer Denkweisen über mehrere Generationen minimiert einen potentiellen Rückfall in vergangene, überholte Denkmuster, da die jüngsten Generationen mit der neuen Wertauffassung aufwachsen und im Sinne dieser Gedankenwelt erzogen werden. Die Gefahr einer Konterrevolution bei plötzlicher Änderung der Sichtweisen sinkt – nach einer sehr kritischen ersten Phase – gleichfalls auch mit der zunehmenden Anzahl neuer Generationen nach Revolutionsbeginn.

Sobald die neue, akzeptierte Grundeinstellung sich in der Gedankenwelt der Bevölkerungsmehrheit stabilisiert und verankert hat, wird sie nicht mehr oder kaum noch hinterfragt, wird gelebt, wird als verbindlich und richtig anerkannt, sie ist zur neuen gesellschaftlichen Norm geworden, sie wurde vergesellschaftet. Das ab diesem Wendepunkt gültige Weltbild ist das Gesetz der Herrschenden, des Staates, der Wirtschaft, der Medien, der sozialen Orientierung des Volkes, das herrschende Gesetz ist das Gesetz einer, der allgemein akzeptierten neuen Sinnesart.

Vorstehend skizzierter Ablauf wird aber in seiner Norm nachgerade irreversibel manifestiert, wird das politisch-gesellschaftliche Weltbild mit einem metaphysischen Überbau versehen, der das gesamte tägliche Leben mit seinen vielfältigen Handlungen, Entscheidungen und deren Folgen vor einem religiösen, gar göttlichen Hintergrund rechtfertigt. Um die heutigen Gegebenheiten unserer westlichen Gedankenwelt in die modellhaft gegliederte Weltsicht und stützende metaphysische Rechtfertigung einzuordnen, sei der Gegenstand nachfolgender Ausführungen primär auf den europäischen Kulturkreis, auf die Rolle des Christentums als Hauptbestandteil westlicher Religionen, reduziert.

Der außerordentliche Grad der Denkfähigkeit des Menschen hat ihn in die Lage versetzt, sich von problematischen Lebensraumverhältnissen unabhängig zu machen, sie vielmehr selbst zu verändern und schließlich nahezu ganz zu ignorieren. Damit hat sich der Mensch als gleichsam höheres Wesen buchstäblich über die Natur hinweg gesetzt, sich von ihr und allen darin befindlichen Lebensformen separiert und zum mächtigsten Wesen der Erde entwickelt. Als ein durch Gruppensozialität und Rangordnung grundstrukturiertes und damit geradezu zwangsläufig nach Höherem orientiertes Wesen sieht er sich als legitimen Gesprächspartner höchster Mächte, als Krone und Ziel der Schöpfung, wesensähnlicher seinen gedachten Gottheiten, als den ihm tatsächlich genetisch artverwandten, jedoch in der Rangordnung seiner Werteskala weit unter ihm eingestuften Tieren.

Dieses Überlegenheitsgefühl, dieses vermeintliche Wissen, dieses göttliche Recht ist ihm zwischenzeitlich im Bewusstsein verankert, wird von ihm nicht mehr hinterfragt – weder individuell noch kollektiv -, wird ihm in Schulen als fundamentale Gegebenheit gelehrt, vorgelebt durch staatliche Gesetzgebung und anerzogen durch überwiegend kritiklose Eltern. Der andere Teil der Lebewesen unserer Erde, vor allem die Tiere nämlich, sind hingegen heute - unterstellt man die gewohnte Sicht des Massenmenschen auf diese Kreaturen - zu belebten Wesen degradiert, zu atmenden Produktionsfaktoren, an denen entweder archaische Instinkte, Perversionen und Grausamkeiten legal ausgelebt werden können, die dem menschlichen Vergnügen dienen - wie bei Jagd, Zirkus, Stierkampf etc.- oder die vorwiegend als nachwachsende Rohstoffe bzw. als Nahrungsmittel zu seinem Nutzen gehalten und vielfach geradezu großtechnisch produziert werden.

Ursache dieser abscheulichen, jeder Moral und Ethik entbehrenden Denkungsart, ist in erster Linie die unheilvolle Lehre der christlichen Kirche, den Mensch als Ebenbild Gottes zu definieren, ihn gleich hinter Gott einzuordnen, weit vor dem Rest der Natur und insbesondere weit vor der Pflanzen- und Tierwelt. Die Reihenfolge: zuerst Gott, dann Mensch und zuletzt Natur und Tierwelt ist das verbrecherischste Verdikt der gesamten Menschheitsgeschichte! Dem Mitgeschöpf, dem Tier, wird dadurch jedes wirkliche Recht, jedes soziale Empfinden, jede Art von Psyche und nicht von ungefähr vom Christentum auch noch die Seele – als exklusives Geschenk des übermenschlichen Schöpfergottes – abgesprochen. Dieser anthropozentrische Irrsinn kulminiert darin, dass ein vermeintliches Leben nach dem Tod nur den Menschen erwartet, dank seiner unsterblichen Seele; allein der Beweis für diese Behauptung fehlt, konnte und kann nicht erbracht werden. Wird diese Vorstellung noch durch das Argument des alleinigen Besitzes von Vernunft beim Menschen ergänzt, wird die Unlogik und Haltlosigkeit dieser Denkweise offenbar.

Weder ist in einer Gesamtbetrachtung der Weltgeschichte bei Kriegsgeschehen, Bevölkerungswachstum, Umweltvernichtung und ungehemmter Ressourcenplünderung  überragende Begabung für das seltene Gut der Vernunft feststellbar, noch ist sie bei Einzelbetrachtung ausgewählter Individuen als grundangelegt erkennbar. Senile, schwere Fälle geistiger Behinderung und Demente rangieren oftmals in ihrer Vernunft auf einem Niveau weit hinter hoch entwickelten Säugetieren; auch der nicht explizit betrachtete Teil des homo sapiens zeigt Vernunft meist, wenn überhaupt, nur partiell und/oder temporär. Es ist somit allein der Wahn des Menschen, seine paranoide Hybris, sich als etwas Höheres, Bedeutenderes, Lebenswerteres zu halten; lebensverachtende Theologie hat ihm dieses Empfinden eingeimpft, es ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. "Die Menschen tun das Böse nie so vollständig und begeistert, wie wenn sie es aus religiöser Überzeugung tun" formuliert Umberto Eco diesen Fakt.

Fortsetzung im morgigen Blog-Beitrag ......